Nachrichten aus dem Jahr 2010

Nachrichten aus den Jahren 1999, 2000, 2001, 2002, 2003, 2004, 2005, 2006, 2007, 2008, 2009 und 2010.

 


 

Über 2 ½ Stunden Wehner

Neues Hörbuch über Herbert Wehner als Redner

In diesen Tagen erscheint eine zweieinhalbstündige CD-Ausgabe über Herbert Wehner. Christoph Meyer, Autor der Biografie "Herbert Wehner" (dtv, 2006), hat sich das Werk angehört und schildert seine ersten Eindrücke:

Jürgen Roths Hörbuch verschafft einen lebendigen Eindruck vom größten Redner, den die SPD im Bundestag hatte. Das gesamte Leben des Jahrhundertpolitikers wird erzählt. Die Doppel-CD "Sie Düffeldoffel da!" ist durchaus lehrreich.

Dabei sind vor allem die biographischen Passagen über den jüngeren Wehner hörenswert. Die von Thomas Freitag nachgesprochenen Zitate jedoch klingen etwas nach CSU-Festzeltredner. Dazu im Kontrast stehen die zahlreichen eindrucksvollen Originaltöne Wehners.

Die CD enthält Wortmeldungen von Dieter Hildebrandt und Hermann L. Gremliza. Diese treffen nicht immer zu. Ob das Misstrauensvotum 1972, die Moskau-Reise 1973, die Guillaume-Affäre 1974 - Herbert Wehner kommt als undurchsichtiger Intrigant daher. Die seriöse Literatur kommt zu einem anderen Bild. Es ist wie zu Lebzeiten der Beteiligten: Das Hochstilisieren der Konflikte ist die "lustigere" Story.

Das Feuerwerk der Wehner'schen Rhetorik wirkt trotz der geballten Präsentation nie ermüdend. Das Hörbuch kann als unterhaltsamer Einstieg dienen. Da steckt viel Herbert Wehner drin.

Jürgen Roth: Sie Düffeldoffel da! Herbert Wehner. Ein komischer Heiliger. Hörbuch (2 CD), Verlag Antje Kunstmann GmbH, München 2010, ISBN 978-3-88897-694-0, EUR 19,90 - erhältlich im Buchhandel oder beim Herbert-Wehner-Bildungswerk.

Eine ausführlichere Besprechung folgt noch! Und: Bitte Termin vormerken: Autor Jürgen Roth kommt am 21. Oktober um 20.00 Uhr ins Herbert-Wehner-Bildungswerk, wo er anhand von Ton-Ausschnitten mit Christoph Meyer über die CD diskutieren wird. Und natürlich über Herbert Wehner!

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Trauer um Franz Huppertz

Franz Huppertz, einer der Gründungsväter des Herbert-Wehner-Bildungswerks, ist am Samstag, den 21. August 2010 im Alter von 83 Jahren gestorben. Lutz Kätzel, Gründungsgeschäftsführer und ehemaliger Landesgeschäftsführer der sächsischen SPD, erinnert sich an den langjährigen Geschäftsführer des SPD-Bezirks Niederrhein:

Viele, die 1990 die SPD in Sachsen aufbauten, erinnern sich, wie Franz aktiv diesen Aufbau begleitete. Von seinem Rat und seiner Hilfe profitieren wir heute noch. Das Herbert-Wehner-Bildungswerk geht auf seine Initiative zurück. Wenn uns heute Landesstatut und Geschäftsordnung selbstverständlich sind, so hat Franz Huppertz seinen Anteil daran.

Zimperlich war er nicht. Seine Ansprache war direkt. Oberflächlich durfte keiner sein. Organisationspolitik, wie er sie von Herbert Wehner lernte, wollte er weitergeben.

"So schafft sich die Arbeiterklasse eine Organisation, die es jedem Mitglied ermöglicht, seinen Einfluss auf das Wohl des Ganzen geltend zu machen", ein oft von ihm genanntes Zitat aus der Geschichte der SPD.

Dafür, dass diese Organisation in Sachsen demokratisch und wirtschaftlich funktioniert, hat sich Franz Huppertz (er hatte die Weisheit und das Alter) selbstlos eingesetzt. Wir danken ihm."

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Opposition gestaltet!

Steinmeier: Mehr Engagement nötig - Freundeskreis will Herbert-Wehner-Haus - 104. Geburtstag Herbert Wehners in Dresden

Trotz großer Hitze war der Clara-Schumann-Saal im Dresdner Kulturrathaus am 11. Juli 2010, dem 104. Geburtstag von Herbert Wehner, gut gefüllt. über 180 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Sachsen und dem ganzen Bundesgebiet waren gekommen zur Podiumsdiskussion "Opposition gestaltet" des Herbert-Wehner-Bildungswerks.

Christoph Meyer, Vorsitzender der Herbert-und-Greta-Wehner-Stiftung, machte den Aufschlag mit einem Vortrag zu Herbert Wehners Kursbestimmung in der Opposition vor 50 Jahren am 30. Juni 1960. Die staatsmännische Rede des stellvertretenden Parteivorsitzenden wurde im Foyer des Saales erstmals als Faksimiledruck des Redemanuskripts präsentiert. Meyer forderte dazu auf, eine demokratische Alternative zur Regierung "nicht nur zu fordern, sondern in ihrer täglichen Arbeit durch permanenten positiven Gestaltungswillen ins Werk zu setzen. Meyer: "Diese Haltung fasst die überschrift unserer heutigen Versammlung in zwei knappen Worten zusammen: Opposition gestaltet." Mit diesem Thema setzte sich aus aktuellerer Sicht das von Peter Struck moderierte Podiumsgespräch auseinander.

Hans-Jochen Vogel, Oppositionsführer von 1983 bis 1991 betonte, das Handeln der derzeitigen Regierung liefere genügend Vorlagen, für eine starke Oppositionsarbeit. Allerdings wehrte er sich gegen die allgemeine Politik- und Parteienverdrossenheit und riet zu mehr Anstrengung. In Anlehnung an John F. Kennedy rief er auf, nicht nur zu sagen, "was sollen die anderen tun, damit vor Ort etwas geschieht, sondern immer zunächst mal fragen, was können wir selber tun, um die Dinge in Bewegung zu bringen". Es ginge ihm auf die Nerven, "wie viele Menschen mit ständig heruntergezogenen Mundwinkeln Alles und Jedes in dieser Republik kritisieren." Gerade die Wiederaufbauleistungen der Deutschen nach dem Krieg und die Deutsche Einheit seien "nicht gegen den wütenden Widerstand der politischen Parteien zustande gekommen, sondern durch das Engagement der Parteien und der Sozialdemokraten insbesondere."

"Nie phantasielos, nie populistisch"

Frank-Walter Steinmeier, der heutige Oppositionschef, erklärte, man dürfe Oppositionsarbeit "nie phantasielos, nie populistisch" betreiben. Durch den Vorschlag, Joachim Gauck für das Amt des Bundespräsidenten zu nominieren, sei "das, was so merkwürdig lethargisch erschien in unserer Demokratie plötzlich wach geworden," und es sei nun Aufgabe der Opposition, "dass dieses kurzfristige Aufwachen, dass diese Bereitschaft, sich für Politik zu interessieren nicht wieder erlahmt". Er betonte, dass die SPD "durchaus eine phantasievolle Abwechslung von sehr grundsätzlicher Opposition auf der einen Seite" - wozu es nach Steinmeier immer Anlass gäbe - und "Kooperation und konstruktiver Oppositionsarbeit in anderen Fällen" biete. Die sächsische Sicht brachte Martin Dulig ein: Man arbeite hart an der Übernahme der sächsischen Staatskanzlei, so der sächsische SPD-Chef nur halb im Scherz. Man solle "gute Politik machen und darüber reden", dann habe die sächsische Sozialdemokratie ein hohes Wachstumspotential. Koalitionen in der Opposition machten zwar "in der Sache Sinn", es gelte aber auch für die SPD, "einen eigenen Stil zu finden, ein eigenes Profil zu bilden."

Im Ergebnis stand für alle Beteiligten fest: Die Oppositionsrolle ist nicht die angestrebte Funktion der Sozialdemokratie im Parlament, aber wer sie hat, sollte sie, wie schon Schumacher und Wehner, engagiert annehmen und gestalten. Im Anschluss an die Podiumsdiskussion fand unter Leitung von Peter Struck das jährliche Treffen des Freundeskreises Herbert-Wehner-Bildungswerk statt. Darin wurde beschlossen, dass in Dresden möglichst bald ein Herbert-Wehner-Haus für Sachsen errichtet werden soll. Wie der Gründungsvorsitzende des Herbert-Wehner-Bildungswerks, Peter Adler, betonte, unter der Überschrift "Ein Haus für Onkel Herbert" stecke "mehr als nur eine Bildungsstätte, sondern auch: Wir müssen Herbert Wehner in seine Geburtsheimat Sachsen zurückbringen."

Zum abendlichen Grillfest auf dem Hof des Bildungswerks erschienen erneut mehr als 100 Gäste, die dann auch noch gemeinsam das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft sehen konnten. Das Protokoll zum 14. Freundeskreistreffen am 11. Juli 2010 finden Sie hier.

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Lehrstück in der Sache der Demokratie

Herbert Wehners Rede vom 30. Juni 1960

Zum 50. Jahrestag der Bundestagsrede Herbert Wehners vom 30. Juni 1960 erklärt die Herbert-und-Greta-Wehner-Stiftung in Dresden:

Vor genau 50 Jahren hat der Sachse Herbert Wehner die bedeutendste Debattenrede in der Geschichte des Deutschen Bundestages gehalten. Sie ist das bis heute gültige Bekenntnis der Sozialdemokratie zur europäischen Gemeinschaft und zum westlichen Verteidigungsbündnis. Gleichzeitig ist sie "ein Lehrstück in der Sache der Demokratie" (Olaf Sund), mit dem "in einem einzigen Schritt eine neue Ausgangslage herbeigeführt wurde" (Günter Gaus).

Herbert Wehner ging von einer gemeinsamen Grundlage der Demokratie in der Bundesrepublik aus. Als solche bezeichnete er die Verpflichtung auf das Grundgesetz. Wehner schrieb den Parteien ins Stammbuch: "Jede demokratische Partei hat das Recht und ist bestrebt, die Mehrheit der Wähler zu gewinnen. Wenn aber im politischen Kampf dieses Streben als Selbstzweck verdächtigt wird, statt den Kampf, soweit das überhaupt menschenmöglich ist (...) um die sachlichen Streitfragen selbst zu führen, so kann es nicht ausbleiben, dass die Demokratie und die zur Demokratie gehörenden Parteien und Institutionen schließlich in den Verdacht geraten, der Sache selbst gar nicht zu dienen, sondern sich ihrer nur zu bedienen."

Am Schluss der Rede forderte Wehner die Parteien auf, in sachlicher innenpolitischer Gegnerschaft im Rahmen des demokratischen Ganzen miteinander zu wirken: "Innenpolitische Gegnerschaft belebt die Demokratie. Aber ein Feindverhältnis, wie es von manchen gesucht und angestrebt wird, tötet schließlich die Demokratie, so harmlos das auch anfangen mag."

Und so freuen wir uns darüber, dass die Wahl des Bundespräsidenten am 50. Jahrestag dieser so bedeutenden Rede von Herbert Wehner stattfindet. Auch im Namen unserer Stifterin Greta Wehner wünschen wir allen Parteien, Wahlmännern und -frauen, dass sie mit ihrer Entscheidung ihrer Verantwortung für das Ganze gerecht werden.

Christoph Meyer, Stiftungsvorstand

Näheres zur Rede vom 30. Juni 1960 sowie deren Text als PDF-Download

Veranstaltung "Opposition gestaltet" mit Frank-Walter Steinmeier am 11. Juli 2010

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Herbert Wehner und die Arbeitnehmer

Rede eines 89jährigen Freundeskreismitglieds

Michael Weber (89) aus Zemmer bei Trier in Rheinland-Pfalz hat im Mai ein Grußwort zu 65 Jahre Ortsverein der SPD Salzgitter-Lebenstedt (Niedersachsen) gehalten. Der frühere Betriebsrat und Landtagsabgeordnete, langjähriges Mitglied im Freundeskreis Herbert-Wehner-Bildungswerk, kannte Herbert Wehner seit den 1950er Jahren. In seinem Grußwort macht Weber bemerkenswerte Anmerkungen zur Geschichte und zur politischen Arbeit für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den Betrieben. Greta Wehner hat dem Herbert-Wehner-Bildungswerk diesen Redetext geschickt und angeregt, ihn einer breiteren Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Das tun wir gerne. Das Dokument findet sich hier.

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Handreichung: Pressemitteilungen

Jetzt zum Download bereit

Das Herbert-Wehner-Bildungswerk bietet ab sofort kostenlos einen neuen Service an: "Knappe Handreichungen" zur Erleichterung politischen Arbeitens. Nummer 1 trägt den Titel "Pressemitteilungen: Die Veranstaltungsankündigung". Alle Interessierten erhalten damit die wichtigsten Regeln für gute und professionelle Pressearbeit auf einen Blick.

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Überwindung des Freund-Feind-Denkens

Herbert Wehners Paukenschlag vom 30. Juni 1960

Von Christoph Meyer

Vor 50 Jahren hielt Herbert Wehner die wohl bedeutendste Debattenrede in der Geschichte des Deutschen Bundestages. Am 30. Juni 1960 betrat der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende das Redepult. Alle erwarteten eine scharfe Abrechnung mit Adenauer. Was jedoch folgte, war ein achtzigminütiges Kolleg in Sachen Außenpolitik und Demokratie. Wehner überraschte Parlament und Presse.

"Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands geht davon aus, dass das europäische und das atlantische Vertragssystem, dem die Bundesrepublik angehört, Grundlage und Rahmen für alle Bemühungen der deutschen Außen- und Wiedervereinigungspolitik ist." Mit diesem Satz setzte Wehner den Schlussstrich unter den außenpolitischen Streit mit der Adenauer-CDU. Gleichzeitig öffnete er den Weg zur Regierungsbeteiligung der SPD. Bewusst schuf Wehner damit die Voraussetzung für die Neue Ostpolitik.

Am Ende seiner Rede zog der Exkommunist Herbert Wehner die Konsequenz aus den bitteren Erfahrungen der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Er stellte sich gegen das Freund-Feind-Denken und plädierte für Gemeinsamkeit: "Innenpolitische Gegnerschaft belebt die Demokratie. Aber ein Feindverhältnis, wie es von manchen gesucht und angestrebt wird, tötet schließlich die Demokratie, so harmlos das auch anfangen mag."

Wehners spätere Auftritte im Bundestag gerieten oft temperamentvoll. Das liegt nicht zuletzt daran, dass CSU und CDU damals ihrerseits einen feindseligen Oppositionsstil pflegten. Dass Politiker wie Franz Josef Strauß nicht zum Lernen aus der Geschichte bereit waren, erbitterte den gebürtigen Dresdner. Manche meinen, in Wehner vor allem den scharfzüngigen Polterer verehren zu sollen. Aber Herbert Wehner war, das zeigt die Rede vom 30. Juni 1960, in erster Linie Staatsmann.

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Herbert-Wehner-Haus

Ein Aufruf von und für Sachsen

"Wir fordern alle Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten auf, das Projekt 'Ein Herbert-Wehner-Haus für Sachsen' zu unterstützen." So endet der Aufruf von sächsischen Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten für ihren Herzenswunsch. Ob per E-Mail, Fax oder Briefpost: Es sollen möglichst viele Unterschriften gesammelt werden, um einem gemeinsamen Haus für Herbert-Wehner-Bildungswerk, Arbeiterwohlfahrt und SPD in der Landeshauptstadt Dresden näher zu kommen.

Die achtköpfige Aufrufergruppe wird angeführt von Peter Adler, dem Gründungsvorsitzenden des Herbert-Wehner-Bildungswerks. Hinzu kommen die drei ehemaligen SPD-Landesvorsitzenden Michael Lersow, Constanze Krehl und Thomas Jurk. Weiterhin dazu gehören der Vorsitzende des SPD-Unterbezirks Vogtland, Lutz Kätzel, die Bundes-tagsabgeordnete Daniela Kolbe aus Leipzig, der Landtagsabgeordnete Henning Homann aus Roßwein sowie die AWO-Landesvorsitzende Margit Weihnert.

Erste Unterstützer des Aufrufs: Greta Wehner und Sigmar Gabriel.

"Jetzt, 2010, geht es darum, einen entscheidenden Schritt weiter zu kommen", heißt es in dem Text. Und weiter: "Um einladend zu wirken, braucht die Sozialdemokratie Orte, an denen sie zu Hause ist. Das neue Haus soll mitten in Dresden sein und große Schaufenster haben. Es soll Wege zum Mitmachen eröffnen und erleichtern." Christoph Meyer, Vorsitzender der Herbert-und-Greta-Wehner-Stiftung, meint: "Jede Unterschrift ist willkommen. Aber natürlich auch jede Spende und jeder Beitritt zum Freundeskreis Herbert-Wehner-Bildungswerk."

Weitere Informationen sowie der Aufruf finden sich unter www.herbert-wehner-haus.org.

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Opposition gestaltet mit

Steinmeier kommt am 11. Juli nach Dresden - Diskussion mit Vogel und Dulig

Frank-Walter Steinmeier, Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion in Berlin, erweist seinem Vorgänger Herbert Wehner die Ehre. Der Oppositionsführer kommt zum 104. Geburtstag des legendären SPD-Politikers nach Dresden. Am Nachmittag des 11. Juli diskutiert Steinmeier mit Hans-Jochen Vogel und Martin Dulig über die Aufgabe der Opposition in der Demokratie.

Nicht nur kritisieren, aktiv mitgestalten, so lautet die Devise von Steinmeier. Für ihn ist es ausdrücklich die Aufgabe einer Opposition, anzugreifen und Missstände zu kritisieren. Zudem müsse eine Opposition jederzeit in der Lage sein, die Regierungsgeschäfte zu übernehmen. Keineswegs dürfe sich die SPD daher in purem Populismus verlieren. "Ich will eine konstruktive Opposition führen!", so Steinmeier am 6. Januar 2010.

Dass Deutschland eine starke Opposition braucht, ist gewiss auch die Auffassung von Hans-Jochen Vogel, der das schwierige Amt von 1983 bis 1991 inne hatte. Der Gründungssprecher des Freundeskreises Herbert-Wehner-Bildungswerk hat, so Jürgen Schmude, durch sein Wirken eindrucksvoll gezeigt, was Opposition positiv bewirken kann: "Die Regierung wird besser, tüchtiger und umsichtiger, wenn sie es mit einer guten und tatkräftigen Opposition zu tun hat."

Martin Dulig schließlich, der Dritte auf dem Podium, hat die nicht einfache Aufgabe, im Sächsischen Landtag eine gute und konstruktive Oppositionsarbeit zu machen. Für ihn geht es darum, das Profil der SPD zu schärfen und einen "klaren Oppositionskurs" gegenüber der CDU/FDP-Landesregierung zu fahren.

Die Gesprächsleitung hat Peter Struck, Fraktionsvorsitzender im Bundestag von 1998 bis 2002 und erneut von 2005 bis 2009. Zu Beginn der Veranstaltung erinnert Christoph Meyer, Leiter des Herbert-Wehner-Bildungswerks, in kurzen Worten an Herbert Wehners Kursbestimmung in der Opposition der 1950er und 1960er Jahre. "Zu DDR-Zeiten war Opposition verboten, in der Bundesrepublik wurde sie zur staatspolitischen Aufgabe. Dies ist nicht zuletzt Wehners Redebeitrag vom 30. Juni 1960 zu verdanken", so der Historiker Meyer.

Wie jedes Jahr trifft sich am 11. Juli in Dresden auch der Freundeskreis Herbert-Wehner-Bildungswerk unter Leitung von Peter Struck. Und abends werden die Mitglieder des Kreises wieder zum Grillfest auf dem Hof des Bildungswerks eingeladen. Der Geburtstag Herbert Wehners fällt dieses Jahr auf einen Sonntag, noch dazu auf den Tag des Endspiels der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika. "Selbstverständlich geben wir am Abend die Gelegenheit, das Spiel gemeinsam anzusehen", verspricht Meyer bereits jetzt.

Das Podiumsgespräch "Opposition gestaltet mit" findet am Sonntag, den 11. Juli 2010 um 15.30 Uhr im Clara-Schumann-Saal des Kulturrathauses Dresden (Innere Neustadt), Königstraße 15, statt. Die Veranstaltung ist öffentlich. Um Anmeldung wird gebeten (info@wehnerwerk.de; Telefon 0351-8040220).

Die Veranstaltung findet in einem historischen Kontext statt. Vor fast genau 50 Jahren, am 30. Juni 1960, hielt Herbert Wehner seine berühmte Rede zur Neuausrichtung der außenpolitischen Linie der SPD.

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Olaf Sund gestorben

Olaf Sund (1931-2010)

Am 8. Januar 2010 ist im Alter von 78 Jahren das langjährige Mitglied des Freundeskreises Herbert-Wehner-Bildungswerk, Olaf Sund, von 1972 bis 1977 Mitglied des Deutschen Bundestages, gestorben. Greta Wehner schreibt dazu:

"Er war der Mann, von dem Herbert gehofft hatte, er könne nach ihm die Bundestagsfraktion leiten. Doch dann haben im Jahr 1977 die Gewerkschaften in Berlin dringend gebeten, dass Herbert hilft, damit in Berlin ein geeigneter Mann die Aufgaben des Senators für Arbeit und Soziales übernimmt. Herbert meinte wohl, dass nur Olaf das bewältigt. Als Olaf ging und sie sich voneinander verabschiedeten, hatten beide Tränen in den Augen.

Olaf hat später, von 1991 bis 1996, bei der Sozialministerin Regine Hildebrandt in Brandenburg das Amt des Staatssekretärs übernommen, das heißt sie mit ihrer 'Schnodderschnauze' wirkte nach außen, und er sorgte dafür, dass Verwaltung und Politik festen Boden hatten."

In seinen letzten Lebensjahren war Olaf Sund schwer erkrankt. Dies ist sehr bedauerlich - gewiss wäre er dem Herbert-Wehner-Bildungswerk und seinem Freundeskreis ein wertvoller Ratgeber gewesen.

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Helfen - Arbeiten - Nicht verzweifeln!

20. Todestag Herbert Wehners - Gedenken in vier Städten

Dresden, Herbert-Wehner-Denkmal: Greta Wehner, Ines Vogel, Sabine Friedel

Dresden-Schneeberg-Hamburg-Bonn. Zweimal West und zweimal Ost: In vier deutschen Städten wurde in besonderer Weise an die 20. Wiederkehr des Todestags von Herbert Wehner am 19. Januar 1990 erinnert. Vier Städte, die mit dem Lebensweg des gesamtdeutschen Jahrhundertpolitikers eng verknüpft sind - Geburtsheimat - Kindheitsstadt - Wahlkreisheimat - Parlamentsstadt. Zu berichten ist von vier besonderen Veranstaltungen.

Wie schon 1906 am 11. Juli im Haus Spenerstraße 13 machte Sachsens Landeshauptstadt den Beginn. Dresdens SPD-Vorsitzende Sabine Friedel begrüßte zur Mittagszeit Greta Wehner und weitere etwa 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Erinnerungstafel an der Stelle des Geburtshauses. Dann zogen die Versammelten, darunter zahlreiche Mitglieder des Freundeskreises Herbert-Wehner-Bildungswerk, zwei Straßenecken weiter zum Herbert-Wehner-Denkmal, das Johannes Rau im Juni 1998 "eingeweiht" hatte. Ines Vogel, die Vorsitzende des SPD-Landesparteirats Sachsen, sprach Worte des Erinnerns und Gedenkens. Hier in Drsden, sagte sie, reifte in dem Schuhmachersohn Wehner die Erkenntnis, "dass die arbeitende Bevölkerung sich organisieren muss". Dieser Gedanke führte ihn über schmerzhafte Umwege zur aktiven Mitarbeit in der Sozialdemokratie. Die große Überschrift seiner Politik sei immer gleich geblieben: "Herbert Wehner hat gesagt, wozu Politik da ist: Den Menschen helfen." Der nachdenkliche Mensch Wehner sei in erster Linie ein großer Kämpfer gewesen. Der heutigen Sozialdemokratie hätte er geraten, nicht zu resignieren. Da, wo infolge schwarz-gelber Regierungspolitik das Soziale massiv unter Druck gerät und breite Schichten von der Bildung ferngehalten werden, "sind wir doch gehalten zu kämpfen. Das", so schloss die Historikerin Vogel, "ist ein Vermächtnis dieses Jahrhundertpolitikers. An ihn wird gedacht, er ist noch da."

Am Nachmittag des 19. Januar legten der SPD-Parteivorstand, die Bundestagsfraktion und die Friedrich-Ebert-Stiftung Kränze am Grab von Herbert Wehner auf dem Burgfriedhof in Bonn-Bad Godesberg nieder. An die dreißig Personen, teils alte Weggefährten und Freunde von Wehner, trafen sich dort - an ihrer Spitze SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles und der Sprecher des Freundeskreises Herbert-Wehner-Bildungswerk, Peter Struck. Ebenfalls an die dreißig Anwesende tauschten ihre Erinnerungen aus. Es ist nicht verwunderlich, dass an Herbert Wehners langjähriger parlamentarischer Wirkungsstätte so manche Anekdote aus seiner fast 34jährigen Abgeordnetenzeit im Deutschen Bundestag erzählt wurde.

Über 60 Gäste konnte dann am Abend Frank Richter, Kreisvorsitzender der SPD in Hamburg-Harburg, im neuen "Herbert-Wehner-Haus" begrüßen. Herbert Wehner hatte ab 1946 in Hamburg gelebt; hier war er der SPD beigetreten, wirkte er als Journalist, und in Harburg wurde er von 1949 bis 1980 neunmal hintereinander direkt in den Bundestag gewählt. So kamen hier zahlreiche Menschen zusammen, die Herbert Wehner persönlich gekannt haben: Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten, Gewerkschafter, aber auch Vertreter von Behindertenverbänden und Menschen, denen Wehner geholfen hat, aus der DDR freizukommen. Biograf Christoph Meyer vom Herbert-Wehner-Bildungswerk leitete ein Podiumsgespräch mit zwei Zeitzeugen: Rolf Selzer, ehemaliger SPD-Landesgeschäftsführer Schleswig-Holstein, konnte von den "Gebetsstunden beim Onkel" berichten, an denen er Mitte der 1960er Jahre als "Volontär" beim SPD-Parteivorstand teilgenommen hat. Paul Neumann aus Stelle (Landkreis Harburg in Niedersachsen), Bundestagsabgeordneter von 1965 bis 1983, erzählte eindringlich davon, wie gründlich sich Herbert Wehner im Bundestag in alle Probleme der Politik hineingekniet hat. Der 80jährige betonte besonders, dass Wehner das Wohl von Menschen sehr am Herzen lag und er vielen, insbesondere bei der Ermöglichung der Ausreise aus der damaligen DDR aber auch in seinem Wahlkreis, sehr konkret geholfen hat, ohne dass dies zu seinen Lebzeiten öffentlich bekannt geworden wäre.

Hamburg, Herbert-Wehner-Haus: Paul Neumann, Christoph Meyer, Rolf Selzer

Christoph Meyer war es dann, der nach mehr als zwei Jahrzehnten den alten Wehner-Volvo wieder einmal nach Schneeberg brachte. Herbert und Greta Wehner hatten die sehenswerte Kleinstadt im Erzgebirge zuletzt im Jahr 1986 besucht. Sie war Wohnort der Familie Wehner von 1911 bis 1913. Am Abend des 20. Januar erinnerte Meyer in einem Vortrag im Kulturzentrum "Goldne Sonne" daran, dass der kleine Herbert hier die "wahrscheinlich glücklichsten Tage seiner Kindheit" verlebt hatte. Wiederum waren etwa 25 Interessierte gekommen, darunter zahlreiche Angehörige der jüngeren Generation. Den frei gehaltenen Vortrag, der einem lebhaften Gespräch vorausging, stellte Meyer, wie es - ohne Absprache! - schon beim Gedenken in Dresden und Hamburg der Fall gewesen war, unter das Wehner'sche Motto: "Helfen. Und arbeiten. Und nicht verzweifeln."

Herbert Wehner, so das Fazit der Biografie von Christoph Meyer, aber auch das Fazit der vier Veranstaltungen zu seinem 20. Todestag, war ein gesamtdeutscher Jahrhundertpolitiker. "Besonders freut es mich", so Meyer, "dass es diesmal nicht das Herbert-Wehner-Bildungswerk war, welches ein Gedenken an Herbert Wehner organisiert hat, sondern dass die SPD selbst und - im Fall Schneeberg - eine kulturelle Einrichtung hier aktiv geworden sind. Denn das Gedenken an und Lernen von Herbert Wehner sollten Sache der gesamten Sozialdemokratie und weiter Kreise unserer Gesellschaft sein."

Weiterer Link zum 20. Todestag von Herbert Wehner: SPD-Ortsverein Reinbek bei Hamburg.

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20. Todestag von Herbert Wehner

Herbert-Wehner-Bildungswerk informiert und lädt ein

BONN - DRESDEN - HAMBURG - SCHNEEBERG

Vor 20 Jahren, am 19. Januar 1990, ist Herbert Wehner in Bonn gestorben. Dieser Jahrestag ist Anlass zu einer Reihe von Veranstaltungen in seiner Geburtsstadt Dresden, in seiner Kindheitsstadt Schneeberg (Erzgebirge), in Herbert Wehners Wahlkreisheimat Hamburg und in Bonn, der Stadt seines wesentlichen politischen Wirkens.

Zum 20. Todestag von Herbert Wehner erklärt Christoph Meyer, Leiter des Herbert-Wehner-Bildungswerks mit Sitz in Dresden:

"Wir gedenken nicht nur unseres Namensgebers, sondern eines Menschen, der das 20. Jahrhundert in allen seinen Höhen und Tiefen miterlebt und durchlebt hat. Sein Weg machte Herbert Wehner unverwechselbar. Am 11. Juli 1906 in Dresden als Sohn eines Arbeiters geboren, erlebte er früh soziale Ungerechtigkeit und setzte sich dafür ein, sie zu überwinden. Der junge Wehner wurde Anarchist und Kommunist, ein Irrweg, den er zu büßen hatte und für den er gerade stand. Er lernte aus seinen Fehlern, nicht indem er sich zurückzog, sondern indem er in der zweiten Hälfte seines Lebens als freiheitlicher Sozialdemokrat wirkte. Von 1949 bis 1983 Bundestagsabgeordneter, von 1954 bis 1973 stellvertretender Parteivorsitzender der SPD, von 1966 bis 1969 Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen und von 1969 bis 1983 Fraktionsvorsitzender der SPD im Deutschen Bundestag. Es ist tragisch, dass er die Erfüllung seines Herzenswunsches, den Fall der Berliner Mauer, nicht mehr bewusst mit erleben konnte. Herbert Wehner hat deutsche Politik gestaltet und einen großen Beitrag zur Überwindung der deutschen Spaltung geleistet - politisch wie menschlich. Hierin ist er für uns ein unentbehrliches Vorbild. Sein Lebenswerk spornt uns an, nicht darin nachzulassen, die Demokratie zu gestalten und sie mit Leben zu erfüllen."

Aus Anlass des 20. Todestags von Herbert Wehner gibt es in Deutschland eine Reihe von öffentlichen Veranstaltungen:

  • Am Montag, den 18. Januar um 19.00 Uhr liest Christoph Meyer im Kulturladen Hamburg-Hamm aus seiner Herbert-Wehner-Biographie. Näheres zu dieser Veranstaltung der Neuen Gesellschaft Hamburg siehe hierzu.
  • Für Dienstag, den 19. Januar um 12.30 Uhr lädt die SPD Dresden zu einer Gedenkfeier am Standort des Geburtshauses Spenerstraße 13 in 01309 Dresden. Näheres hierzu siehe unter.
  • Am Dienstag, den 19. Januar, nachmittags, wird Andrea Nahles, Generalsekretärin der SPD, zusammen mit Peter Struck, Sprecher des Freundeskreises Herbert-Wehner-Bildungswerk, einen Kranz am Grab von Herbert Wehner auf dem Burgfriedhof in Bonn-Bad Godesberg niederlegen. Nähere Informationen hierzu folgen noch.
  • Am Dienstag, den 19. Januar um 18.30 Uhr wird in Hamburg-Harburg die neue Geschäftsstelle der SPD feierlich in "Herbert-Wehner-Haus" benannt. Zu Herbert Wehners Leben und Werk diskutiert Christoph Meyer, Dresden, mit dem ehemaligen Bundestagsabgeordneten Paul Neumann und dem ehemaligen Parteisekretär der SPD Schleswig-Holstein, Rolf Selzer. Näheres hierzu siehe unter.
  • Am Mittwoch, den 20. Januar um 19.00 Uhr liest Christoph Meyer in Schneeberg (Erzgebirge) aus seiner Herbert-Wehner-Biographie. Näheres zu dieser Veranstaltung des Kulturzentrums Goldne Sonne siehe unter.

In Dresden gibt es den Freundeskreis Herbert-Wehner-Bildungswerk. Dieser hat inzwischen über 500 Mitglieder im gesamten Bundesgebiet. Sprecher des Freundeskreises ist Bundesminister a.D. Dr. Peter Struck (SPD). Ziel der Mitglieder des Freundeskreises ist es, mittelfristig ein eigenes Haus für die politische Bildung, ein Herbert-Wehner-Haus mit Sitz in Dresden zu schaffen.

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