Nachrichten aus dem Jahr 2002

Nachrichten aus den Jahren 1999, 2000, 2001, 2002, 2003, 2004 und 2005.


Deubel wiedergewählt

Für weitere zwei Jahre im Amt als Vorsitzender des Herbert-Wehner-Bildungswerks

Dr. Klaus Deubel (60), Bürgermeister a.D. aus Dresden, wurde am Mittwoch, den 4. Dezember 2002 auf der Jahreshauptversammlung des Vereins für weitere zwei Jahre in seinem Amt als Vorsitzender des Herbert-Wehner-Bildungswerks bestätigt. Zu stellvertretenden Vorsitzenden wählten die Mitglieder des Vereins ebenso einmütig Greta Wehner und Hannelore Rollow. Geschäftsführer Christoph Meyer: "Wir freuen uns, mit Klaus Deubel einen erfahrenen und soliden Mann an der Spitze des Bildungswerks zu haben."

Der Geschäftsführer legte der Mitgliederversammlung eine Erklärung zum Selbstverständnis des Bildungswerks vor, die auf allgemeine Zustimmung stieß. Sie hat folgenden Wortlaut:

"Das Herbert-Wehner-Bildungswerk ist ein parteiunabhängiger sozialdemokratischer Verein, der politische Bildung betreibt. Sitz des Bildungswerks ist Dresden. Hauptzielgebiet ist der Freistaat Sachsen.

Das Herbert-Wehner-Bildungswerk will die Bürgerinnen und Bürger zur demokratischen und parlamentarischen Mitwirkung ermutigen und befähigen. Dies geschieht vorrangig in Seminaren, Tagungen und Diskussionsveranstaltungen. Um seine Ziele zu erreichen, stellt das Herbert-Wehner-Bildungswerk sich, seine Arbeit und seine Angebote intensiv öffentlich dar.

In der Arbeit des Bildungswerks ist die Wahrung des politischen Erbes von Herbert Wehner von großer Bedeutung. Dazu gehört die Pflege des Andenkens an seine politischen und menschlichen Leistungen sowie das aktuelle Wirken in seinem Sinne, also für das grundlegende Ziel, die Demokratie nicht nur als Staatsform zu haben, sondern sie auch zur allgemeinen Lebensform der Menschen zu machen.

Zur Förderung der Arbeit des Bildungswerks hat sich ein Freundeskreis gegründet, dessen Mitglieder aus Sachsen, dem gesamten Bundesgebiet und darüber hinaus einen Beitrag leisten, der langfristig den Erwerb einer eigenen Bildungsstätte ermöglicht."

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Wehnerwerk Mitglied im Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten

Der AdB ist ein bundesweiter Arbeitskreis von rund 200 außerschulischen Bildungsstätten

(02.12.2002) Am 27. November 2002 wurde das Herbert-Wehner-Bildungswerk e.V., vertreten durch Geschäftsführer Dr. Christoph Meyer, durch die Mitgliederversammlung des Vereins einstimmig in den Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten e.V. aufgenommen. Der AdB ist ein bundesweiter Arbeitskreis von rund 200 außerschulischen Bildungsstätten mit unterschiedlichen Profilen. Als pluralistischer, inhaltlich unabhängiger Verband bietet der AdB auf der Basis von Fachlichkeit und einem breiten Themensprektrum seinen Mitgliedern umfangreiche Informationen, konkrete Hilfe und ein Forum für internationalen Erfahrungsaustausch. Näheres im Internet unter www.adbildungsstaetten.de.

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Herbert Wehner erfand den "Tag der deutschen Einheit"

Im Jahr 2003 jährt sich der Aufstand des 17. Juni 1953 zum 50. Mal

(26.11.2002) Anlaß genug, darauf hinzuweisen, daß es ein Politiker aus Dresden war, der damals den Feiertag durchsetzte und dem deutschen Nationalfeiertag seinen Namen gab, der noch bis heute gilt. Den "Tag der deutschen Einheit" erfand kein anderer als Herbert Wehner. Näheres siehe bei den Texten unter www.17juni53.de/forum/forum.html.

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Herbert Wehner erfand den "Tag der deutschen Einheit"

Im Jahr 2003 jährt sich der Aufstand des 17. Juni 1953 zum 50. Mal

(26.11.2002) Anlaß genug, darauf hinzuweisen, daß es ein Politiker aus Dresden war, der damals den Feiertag durchsetzte und dem deutschen Nationalfeiertag seinen Namen gab, der noch bis heute gilt. Den "Tag der deutschen Einheit" erfand kein anderer als Herbert Wehner. Näheres siehe bei den Texten unter www.17juni53.de/forum/forum.html.

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Einbruch ins Wehnerwerk

Wertvolle Ausrüstungsgegenstände gestohlen

(19.11.2002) Am Wochenende 16./18. November 2002 wurde in das Ladenlokal des Herbert-Wehner-Bildungswerks in der Dresdner Neustadt eingebrochen. Die Täter brachen Fenster und Türen auf. Ihre Beute: Technische Geräte im Wert von über 10.000 Euro.

Gestern war kein typischer Montag im Herbert-Wehner-Bildungswerk. Karin Thiele, Abteilungsleiterin für kommunalpolitische Bildung, hatte es zuerst entdeckt: Die Tür war aufgebrochen, Koffer und Schubladen geöffnet, Einbrecher hatten des Nachts ihr Werk getan. Geschäftsführer Christoph Meyer stellte fest: Es fehlen eine Reihe von technischen Ausrüstungsgegenständen. Ein tragbarer Computer, der Beamer, ein MD-Walkman mit Zubehör sowie zwei wertvolle Videokameras. "Die Täter hatten es offensichtlich vor allem auf HighTech abgesehen", so Meyer. Die Schäden belaufen sich nach ersten Schätzungen auf über 10.000 Euro. "Nach über 12.000 Euro Mittelkürzung durch den Freistaat Sachsen im laufenden Haushalt ist dies der zweite finanzielle Tiefschlag in diesem Jahr. Die immateriellen Schäden sind aber noch größer", meint Meyer weiter. "Die Täter haben auch einige bespielte Mini-Discs mitgehen lassen. Darauf befanden sich Aufzeichnungen von Veranstaltungen des Bildungswerks und - das ist das Schlimmste - einige Zeitzeugengespräche mit Jugenderinnerungen von Greta Wehner." Alles andere könne einfach ersetzt werden, nur diese Aufzeichnungen nicht.

Der laufende Geschäftsbetrieb des Bildungswerks ist jedoch nicht beeinträchtigt. "Natürlich arbeiten wir weiter", sagte Christoph Meyer abschließend.

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Herbert Wehners Verdienste um Demokratie und Menschenrechte bleiben ungeschmälert

Kommentar von Dr. Jürgen Schmude

(29.10.2002) Zum dritten Mal nach seinem Tod im Januar 1990 führen Journalisten und einzelne Politiker eine öffentliche Debatte über Herbert Wehner. Dabei geht es, wie schon 1993, um Behauptungen des Hamburger Geschichtsforschers Müller, Herbert Wehner sei 1937 in Moskau ein "exzessiver Funktionstäter" gewesen.

Dazu ist festzustellen:

  1. Außer einem Befehl des sowjetischen Geheimdienstchefs Jeschow werden bisher keine neu aufgefundenen Dokumente benannt. Ob dieser Befehl tatsächlich auf Vorarbeiten Herbert Wehners zurückgeht, bleibt zweifelhaft.
  2. Die einseitige Auswahl von Quellen reicht nicht, um Herbert Wehner eindeutig zu belasten.
  3. Die Anschuldigungen gegen Herbert Wehner werden aus dem geschichtlichen Zusammenhang herausgelöst, nämlich einer Situation extremen Drucks und der Bedrohung durch die kommunistische und die nationalsozialistische Diktatur.
  4. Herbert Wehner hat sich durch seine Verstrickung in die stalinistischen "Säuberungen" mit schuldig gemacht. Aber er hat seine Fehler nicht geleugnet. Er hat sich nach 1945 aktiv und mit bleibendem Erfolg für die Demokratie in Deutschland eingesetzt. Tausenden bedrängten Menschen, vor allem in der DDR, hat er persönlich aus ihrer Notlage herausgeholfen.

Herbert Wehner hat aus seinen Erfahrungen mit dem Totalitarismus die richtigen Konsequenzen gezogen. Auch das macht ihn zum Vorbild im vereinigten Deutschland.

Dr. Jürgen Schmude
Bundesminister a.D.
Sprecher des Freundeskreises Herbert-Wehner-Bildungswerk

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Stellungnahme von Greta Wehner, Dresden

zu Behauptungen in dem Artikel "Mehr Täter als Opfer?" im Spiegel, Heft 40/2002

(01.10.2002) Schriftstücke aus dem Nachlaß des NKWD erscheinen mir wegen der unglaublich vielen Geschichtsfälschungen, die mindestens seit den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts durch die KPdSU vorgenommen worden sind, häufig kaum glaubhaft. Aber sie werden mit Vorliebe zum Geldverdienen durch Veröffentlichungen genutzt durch Menschen, die diese Zeit nicht erlebt haben. Mit "Behagen" wird das Leben eines Menschen benutzt, um "Sensationelles" darüber schreiben zu können und damit einen Schatten auf die SPD zu werfen, in der Herbert Wehner mehr als 35 Jahre - von Herbst 1946 bis Anfang 1983 - für unser Land gewirkt hat, also mehr als doppelt so lange wie in der KPD.

Ich habe Herbert Wehner 46 Jahre lang gekannt, und als die "Notizen" geschrieben wurden im gleichen Haushalt gelebt.

Herbert hat die "Notizen" 1946 nicht geschrieben, um sich zu rechtfertigen, sondern weil er aufgrund seiner Moskauer Erfahrungen immer damit gerechnet hat, er könne ermordet werden, und so zu verhindern, daß dann die Geschichte der KPD, so wie er sie erlebt hatte, im Sinne der KPdSU umgeschrieben und verfälscht werden könnte.

Günter Reimann, sein Freund aus jungen Jahren, hatte sich etwa 1932/33 nach einer Reise in die Sowjetunion von der KPD getrennt, was übrigens nicht wie in der KPD sonst eher üblich zu gegenseitiger menschlicher Verachtung führte. Als Herbert Wehner erfahren hatte, daß Reimann in den USA überlebt hatte, wußte er einen sicheren Empfänger dieses seines Wissens und schickte ihm die "Notizen".

Wenn der "Spiegel" schreibt, die "Notizen" seien erst 1982 veröffentlicht worden, so trifft dies für die Buchform zu, aber es trifft nicht zu für die Möglichkeit, den Text zu kennen.

Mit dem Datum vom 14. März 1957 haben wir in einer großen Zahl die 216 Seiten, originalgetreu, Seite für Seite, vervielfältigt, dazu Herberts Erklärung zu einer Veröffentlichung der Zeitung "Dagens Nyheter", einen Brief an Adenauer sowie zwei Seiten Pressemitteilungen und ein Anschreiben.

Diese Sammlung hieß bei uns "die graue Mappe". Die Liste, wer die Mappe erhalten hat, habe ich nicht mehr. Auf jeden Fall hat der "Spiegel" Kenntnis von dieser an viele verteilten Mappe, und ich bin sicher, daß "der" "Spiegel" bzw. Personen, die beim "Spiegel" waren - oder sind - diese Mappe nicht nur kennen, sondern haben.

Wenn in diesem Bericht des "Spiegels" von heute, wohl um Herbert Wehners Glaubwürdigkeit zu untergraben, darauf hingewiesen wird, Herbert habe 1946 von zwei Verhören, später dagegen von vier Verhören gesprochen, so möchte ich dazu sagen:

  1. Herbert hat die "Notizen" ausschließlich aus dem Gedächtnis niedergeschrieben. Wer wie er illegal lebte, sowohl zu Beginn in Schweden als auch vorher, als er über das Baltikum reisen mußte, wo bereits deutsche Soldaten und damit auch die Gestapo herumliefen, durfte keine schriftlichen Unterlagen bei sich haben.
  2. Hat nicht jeder von uns erlebt, daß er über eigene Erinnerungen unterschiedlich berichtet hat, und zwar nicht um zu täuschen oder etwas zu verbergen, sondern weil spontane Erinnerungen unterschiedlich wieder auftauchen?

Diesen Grund für die Niederschrift der "Notizen", das Rechnen mit der Gefahr des eigenen, unnatürlichen Todes und damit des Verlorengehens des eigenen Wissens, hat Herbert in der Frühzeit uns, denjenigen, die ihm nahe standen, gegenüber betont.

Alle anderen späteren Interpretationen, zum Beispiel er habe die "Notizen" für Kurt Schumacher geschrieben oder um sich selbst darzustellen bzw. "Fehlverhalten" zu vertuschen, auch daß er sie nachträglich verändert habe, treffen nicht zu.

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Rundbrief an den Freundeskreis vom 4. Oktober 2002

Zum Film "Tödliche Falle - Herbert Wehner in Moskau 1937", ausgestrahlt am 2. Oktober 2002 in der ARD

(04.10.2002) Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde des Herbert-Wehner-Bildungswerks!

Die ARD hat am 2. Oktober 2002 den Film "Tödliche Falle - Herbert Wehner in Moskau 1937" ausgestrahlt. Begleitet wurde dies durch eine Reihe von Berichten und Kommentaren in der überregionalen Presse, von denen einige ein differenziertes Bild zeichnen, andere wiederum geradezu Freude durchblicken lassen, Herbert Wehner als vermeintlichen "Spitzel" und "Denunzianten" entlarven zu können. Herbert Wehner sei ein "exzessiver Funktionstäter" (Reinhard Müller) gewesen, das ist die Kernbotschaft des mit dramatischer Musik, lyrischen und Stalin-Bildern unterlegten Beitrags. Aber diese Botschaft geht ins Leere:

Diese Mängel des Films haben eine Reihe von Ursachen:

Den entscheidenden Grund, warum dieser Filmbeitrag über Herbert Wehner mißlingen mußte, hat der renommierte Kommunismusforscher Hermann Weber schon 1993 in einer Besprechung des Müller-Werks "Die Akte Wehner" benannt:

"Für die Vorführung enger Verquickung der Strukturen und persönlicher Verantwortlichkeit bei den stalinistischen Säuberungen ist Wehner ein wenig taugliches Objekt. Daß er zu den ganz wenigen Ausnahmen der Parteiführer gehörte, bei denen die Umformung zum stalinistischen Parteisoldaten, zum Täter in der Diktatur eben nicht voll gelungen war, beweist nicht nur Wehners radikaler Bruch mit dem Kommunismus, sondern vor allem dann sein Einsatz für Freiheit und Demokratie."

Genau dieser Zusammenhang, das, was am "Fall" Herbert Wehner das Besondere ist, wird in dem Film "Tödliche Falle" nicht beachtet. Statt dessen wird Wehner einseitig als "fleißig, wachsam, wendig und klug", als "linientreu und pflichtbewußt" dargestellt. Da, wo Differenzierung notwendig und erkenntnisfördernd gewesen wäre, läßt die Regisseurin Harpprecht formulieren: "Entweder übt man Macht aus, oder man ist Opfer der Macht." So einfach ist das eben nicht in der Politik, und so einfach war es noch nicht einmal in Moskau 1937.

Es ist bedauerlich, daß ein großes und angesehenes Massenmedium wie der WDR ein so undifferenziertes, im Ergebnis demagogisches Werk produziert und ausgestrahlt hat. Und das ausgerechnet am Vorabend des Feiertages, dessen Bezeichnung, "Tag der deutschen Einheit", von Herbert Wehner stammt.

Um nicht mißverstanden zu werden: Herbert Wehner hat sich in der Zeit des stalinistischen Terrors mit schuldig gemacht; er selbst war sich dessen bewußt, und er hat sich eben nicht einseitig "zum Opfer stilisiert", wie Müller behauptet. So sind seine "Notizen" von 1946 zu verstehen (siehe hierzu auch die obige Stellungnahme von Greta Wehner). Er hat in den "Notizen" das Funktionieren und die Fehlentwicklung des sowjetischen Kommunismus scharf analysiert, um zu zeigen, wo Politik in die Irre geht und daraus für die Zukunft zu lernen.

Dem entsprechend heißt es schon seit drei Jahren auf der Internetseite des Herbert-Wehner-Bildungswerks:

"Herbert Wehner war zeitlebens und nach seinem Tode scharfen Angriffen von politischen Gegnern und Sensationsjournalisten ausgesetzt. Mit ihm haben wir sächsischen Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten uns kein einfaches Vorbild gewählt. Ungebrochene Helden und Heldinnen gibt es jedoch nicht. Sie sind zurechtgebogene Wunschbilder; die Wirklichkeit ist komplizierter. Wehner hat die politischen, ideologischen wie menschlichen Wege und Irrwege des 20. Jahrhunderts miterlebt und miterlitten - und dabei auch Fehler begangen. Viele Menschen haben sich nach den Erfahrungen mit den Diktaturen enttäuscht von der Politik abgewandt. Nicht so Herbert Wehner: Er hat seine Erfahrungen für den Aufbau der zweiten deutschen Demokratie zur Verfügung gestellt und Verantwortung für das Gemeinwesen übernommen. Was er beitragen wollte, hat er 1964 so zusammengefaßt: ‚Helfen. Und arbeiten und nicht verzweifeln. Und auch die skeptischen Leute die Erfahrung erleben lassen, daß es mit Ehrlichkeit geht.'"

In diesem Sinne gilt weiter: Das Herbert-Wehner-Bildungswerk, welches der Freundeskreis unterstützt, dient der politischen Bildung und der Völkerverständigung sowie der Wahrung des Andenkens an die politischen und menschlichen Leistungen Herbert Wehners.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Jürgen Schmude (Sprecher des Freundeskreises) und Dr. Christoph Meyer (Geschäftsführer)

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"Herzenswunsch der Sachsen"

Aus der Ur- und Frühgeschichte des Herbert-Wehner-Bildungswerks

Franz Huppertz erzählt.

(24.09.2002) Zehn Jahre nach seiner Gründung am 14. September 1992 in Dresden ist das Herbert-Wehner-Bildungswerk der einzige eigenständige hauptamtlich besetzte sozialdemokratische Bildungsträger in den fünf neuen Ländern. Die Liste der fünfzehn Gründungsmitglieder umfaßt auch vier Sozialdemokraten aus dem fernsten Westen der Republik, vom Niederrhein. Zwei von ihnen, Franz Huppertz und Rainer Schröer, hat Wehnerpost-Chefredakteur Christoph Meyer in Korschenbroich aufgespürt und nach ihren Erinnerungen befragt.

Die Ur- und Frühgeschichte des Herbert-Wehner-Bildungswerks ist untrennbar verknüpft mit Franz Huppertz, dem ehemaligen Geschäftsführer des SPD-Bezirks Niederrhein. Gefragt, weshalb es heute allein in Sachsen eine solche Einrichtung gibt, antwortet der heute 75jährige: "Weil wir da waren und das mit Nachhaltigkeit betrieben haben."

Daß die Niederrheiner überhaupt für Sachsen da sein konnten, geht auf eine Entscheidung aus dem Jahr 1989 zurück. Huppertz erinnert sich: "Auf dem Parteitag in Berlin wurden die Bezirke zur Betreuung an die Westbezirke verteilt. Und da Düsseldorf bereits eine Partnerschaft mit der Stadt Chemnitz (damals noch Karl-Marx-Stadt) hatte, habe ich mich dann in der Runde gemeldet und gesagt, dann übernimmt der Niederrhein den Bezirk Chemnitz." Um voneinander zu lernen, wurden gemeinsame Tagungen veranstaltet, und die Funktionäre des West- und des Ostbezirkes besuchten einander. So nahm der erste Chemnitzer SPD-Bezirks- und später erste Landesvorsitzende in Sachsen, Michael Lersow, an einer Klausurtagung in Stenden teil. Franz Huppertz berichtet: "Michael war hingerissen von dem Haus in Stenden, von dem Essen in Stenden und von dem Ablauf unserer Klausurtagung. Michael bekam glänzende Augen und sagte am Schluß: 'Das müßte in Sachsen auch sein, dieses Stenden.'" Damit war die Idee eines sächsischen Bildungswerks geboren.

Rainer Schröer und
Christoph Meyer im Gespräch.

Greta Wehner war seit Herbst 1991 Ehrenmitglied der sächsischen SPD, und die Benennung des neuen Werks nach Herbert Wehner war der "Herzenswunsch der Sachsen" (Rainer Schröer), den Michael Lersow damals zum Ausdruck brachte. Allein das Geld fehlte noch. Huppertz wußte: "Wenn die Sachsen Flöhe kriegen, dann müssen wir sofort zuschlagen, bevor die Neunmalklugen und die Besserwisser kommen und alles zerreden." 1992 gab es im sächsischen Staatshaushalt erstmals Mittel für die politische Bildung. Franz Huppertz und Rainer Schröer, der Leiter des Bildungswerks Stenden, trafen sich im vogtländischen Falkenstein mit Peter Adler, dem Parlamentarischen Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion und SPD-Landesgeschäftsführer Lutz Kätzel. Rainer Schröer hatte das Raster einer Satzung für das Bildungswerk dabei, und Franz Huppertz lieferte 3 Seiten über die Inhalte der politischen Bildung, gegliedert in Geschichte der Arbeiterbewegung, den Umgang mit dem Wähler und Gesellschaftspolitik. Am 14. September 1992 gründeten 15 SozialdemokratInnen aus Sachsen und vom Niederrhein, an ihrer Spitze Greta Wehner, im Sächsischen Landtag zu Dresden das Herbert-Wehner-Bildungswerk. Peter Adler wurde einstimmig zum Vorsitzenden gewählt.

Eine erste Geschäftsstelle des Bildungswerks wurde in Chemnitz eingerichtet, und Klaus Reiners, bis dahin stellvertretender Leiter des Bildungswerks Stenden, wechselte nach Sachsen. Rainer Schröer: "Ja, das Verdienst vom Klaus ist die praktische Arbeit. Wir haben es vorher aufgebaut und in einer Nacht- und Nebel-Aktion hingestellt, aber der Klaus hat sich dann wirklich reingekniet. Das war ein richtiges Feuerwerk." Und damit begannen die Seminare.

Das Herbert-Wehner-Bildungswerk steht heute auf eigenen Füßen, die Bildungsarbeit blüht. Aber ein großer Wunsch, der schon in der Ur- und Frühgeschichte des Bildungswerks zu den Grundgedanken zählte, ist noch offen. Franz Huppertz: "Wir wollten ein Herbert-Wehner-Haus."

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Nolle kommt ins Wehnerwerk

SPD-Landtagsabgeordneter im Sachsenforum: Neue Arbeitsplätze für Sachsen

(16.09.2002) Karl Nolle (SPD) spricht am Donnerstag, dem 26. September 2002, um 19.30 Uhr im Herbert-Wehner-Bildungswerk, Dresden-Neustadt, Kamenzer Straße 12. Thema seines Vortrags: "Schafft Wirtschaft Arbeit? Aufbau Ost und Arbeitsplätze für Sachsen". Anschließend ist Gelegenheit zur Diskussion. Die Veranstaltung ist öffentlich. Der Eintritt ist frei.

Mittelstandsförderung und Standortinvestitionen - dazu Karl Nolle: "Nur das schafft Arbeitsplätze." Neue Arbeitsplätze in Ostdeutschland würden nicht gegen die Wirtschaft geschaffen, sondern notwendig sei die Förderung der kleinen und mittleren Betriebe in Sachsen. Und eine bessere Ausbildung: "Es fehlen intelligente, gut ausgebildete Mitarbeiter", weiß Nolle.

Welche Maßnahmen sind jetzt notwendig, wo muß zuerst angesetzt werden? Darum geht es im Sachsenforum am 26. September, vier Tage nach der Bundestagswahl.

Der 57jährige Druckereiunternehmer, Verleger und Kunstmäzen Karl Nolle lebt seit dem 9. November 1989 in Dresden und ist seit Oktober 1999 Landtagsabgeordneter und wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Karl Nolle ist Vorsitzender des Arbeitgeber-Verbandes Druck & Medien e.V. in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt und Vorsitzender der Dresdner Bürgergesellschaft für Kulturförderung e.V.

Näheres zur Person Karl Nolle: www.karl-nolle.de

Näheres zum Sachsenforum: hier

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Politische Bildung nach der Hochwasserkatastrophe

Erklärung von Trägern der politischen Weiterbildung in Sachsen

(06.09.2002) Die Folgen der Hochwasserkatastrophe von August 2002 werden uns in Sachsen auf Jahre hinaus beschäftigen - finanziell, wirtschaftlich und persönlich.

Klar geworden ist: Die Politik hört in der Katastrophe nicht auf. Sie organisiert Hilfe, reguliert die Schäden und organisiert den Wiederaufbau. Mittel- und langfristig muss Politik den Schutz vor Katastrophen verbessern, und zwar durch gezielte vorbeugende Maßnahmen und eine nachhaltige Wirtschafts- und Umweltpolitik.

In der und durch die Katastrophe hört auch die politische Bildung nicht auf. Sie befördert gerade jetzt den gesellschaftlichen Dialog, insbesondere zwischen der Bevölkerung und den Entscheidungsträgern. Politische Bildung vermittelt Wissen, fördert die Meinungsbildung und befähigt zur Mitwirkung im gesellschaftlichen und politischen Leben. Sie ist kein Sonntagsgeschäft. Politische Bildung ist gerade jetzt, im Alltag nach der Hochwasserkatastrophe, notwendig.

Politische Bildung ist durch die Hochwasserkatastrophe gefordert. In ihren Veranstaltungen und Publikationen setzt sie sich mit den politischen Erfordernissen auseinander, die sich aus der Katastrophe ergeben. Gerade in der Region und am Ort kann die politische Bildung moderierend und initiierend tätig werden und die notwendigen gesellschaftlichen Entwicklungsprozesse befördern. Die letzten Wochen haben gezeigt, dass die Bürgerinnen und Bürger unabhängig von ihrem Alter bereit sind, sich für ihr Gemeinwesen aktiv einzusetzen. Diese Hilfsbereitschaft und Solidarität gilt es nach der Katastrophe zu bewahren und zu fördern. Dazu leisten die Träger der politischen Weiterbildung ihren Beitrag.

Politische Bildung muss weiter arbeiten und weiter arbeiten können. Sie darf nicht zum Opfer der Hochwasserkatastrophe werden. Die materiellen Schäden, die sie durch die Katastrophe erleidet, sind zu beheben. Die politische Bildung muss weiter gefördert werden.

Dresden, im September 2002

Erstunterzeichner:
Dr. Jochen Gersdorf, Arbeit und Leben Sachsen e.V.
Dr. Wolfgang Nicht, DGB Bildungswerk Sachsen e.V.
Karl-Heinz Maischner, Evangelische Erwachsenenbildung Sachsen
Dr. Christoph Meyer, Herbert-Wehner-Bildungswerk e.V.
Bernd Staemmler, Sächsischer Volkshochschulverband e.V.

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Neue Sachbearbeiterin gesucht

Stellenausschreibung des Herbert-Wehner-Bildungswerkes e.V.

Der Arbeitsplatz

(05.09.2002) Zum 1. Januar 2003 wird beim Herbert-Wehner-Bildungswerk e.V. in Dresden die Stelle der Sachbearbeiterin/Sekretärin neu besetzt. Die regelmäßige Arbeitszeit beträgt 40 Stunden pro Woche (Vollzeit); die Stelle ist zunächst befristet, kann aber bei zufriedenstellender Zusammenarbeit anschließend in ein unbefristetes Beschäftigungsverhältnis umgewandelt werden. Die Gehaltshöhe wird in Anlehnung an den BAT Ost festgelegt, ist aber auch abhängig von der wirtschaftlichen Situation des Bildungswerks. Führerschein (Klasse 3) ist Einstellungsvoraussetzung.

Die Aufgaben der Sachbearbeiterin/Sekretärin umfassen u.a. sämtliche anfallenden Sekretariatsarbeiten (Post, Telekommunikation, E-Mail-Verkehr und Betreuung der Besucherinnen und Besucher, Büromitteleinkauf etc.). Hinzu kommen Vorkontierung und Buchführung, Kontenbearbeitung und Erledigung der Bankgeschäfte, ordnungsgemäße Abrechnung und Beantragung von Seminaren beim Zuwendungsgeber, Mitgliederverwaltung und Verwaltung sowie konzeptionelle Bearbeitung von Datenbanken wie Adreß- und Seminarverwaltung. Die Sachbearbeiterin/Sekretärin ist direkt dem Leiter des Bildungswerks unterstellt und arbeitet ihm in allen Bereichen zu.

Wir bieten eine relativ krisensichere Anstellung sowie eine interessante und abwechslungsreiche Tätigkeit in einem kleinen und motivierten Team. Die Arbeitsatmosphäre im Ladenlokal im Szeneviertel Dresdner Neustadt ist angenehm.

Wir erwarten Loyalität, hohe Belastbarkeit, Sorgfalt und Flexibilität. Teamfähigkeit und Erfahrung im Umgang mit Menschen sind wichtig. Dazu gehört auch politisch-kulturelles Hintergrundwissen sowie die Fähigkeit zur Identifikation mit der und Einfühlungsvermögen in die politische Bildungsarbeit des Herbert-Wehner-Bildungswerks. Eine abgeschlossene Berufsausbildung bzw. vergleichbare Qualifikation ist unabdingbare Voraussetzung. Schreibsicherheit, Sicherheit im Umgang mit PC (Office, Mail und Internet) sowie Kenntnisse und Erfahrungen in Büroorganisation und Buchführung sind dringend erwünscht.

Die Bewerbungsunterlagen (bitte aus Umweltschutzgründen ohne Plastikmappen u.ä.) sollen enthalten:

Wer interessiert ist, kann sich bis zum 15. Oktober 2002 schriftlich bewerben bei:

Dr. Christoph Meyer
Leiter des Herbert-Wehner-Bildungswerks
Kennwort: I09
Kamenzer Straße 12
01099 Dresden.

Wer Rückfragen hat, kann sich an Hannelore Rollow (Tel. 0351-80 40 220, info@wehnerwerk.de) wenden.

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Aufruf zur Solidarität

Hochwasserkatastrophe – Hilfe für Sachsens SPD

(16.08.2002) Die Hochwasserkatastrophe in Sachsen hat Schäden ungeheuren Ausmaßes angerichtet. In dieser Situation ist auch die Hilfe der Sozialdemokratie gefragt. Aus dem Freundeskreis des Herbert-Wehner-Bildungswerks in Dresden rufen wir auf zur Solidarität mit dem Land, in dem einst die Wiege der deutschen Arbeiterbewegung stand, mit dem Land, in dem August Bebel gewirkt hat und Herbert Wehner geboren wurde.

Erste und wichtigste Aufgabe ist, den Menschen zu helfen, die durch Verwüstung und Zerstörung mit dem Verlust von Hab und Gut unmittelbar betroffen sind. Jede und jeder, der oder die etwas leisten kann, ist aufgerufen, Freunden und Bekannten zu helfen und an die verschiedenen Hilfsorganisationen zu spenden.

Unmittelbar von den Schäden betroffen ist auch die sächsische Sozialdemokratie. So wurde unter anderem die Landesgeschäftsstelle in Dresden überflutet. Computer und Ausstattung sind vernichtet. Der nicht durch Versicherungen abgedeckte Schaden beträgt über 100.000 Euro, die der finanzschwache ostdeutsche Landesverband nicht alleine tragen kann.

Daher unser Appell: Spendet auch für die sächsische SPD!
Spendenkonto der SPD Sachsen
Stichwort "Hochwasserhilfe"
Kto.-Nr. 0344 033 590
bei Stadtsparkasse Dresden, BLZ 850 551 42
Alle Spenden, die nicht für den Wiederaufbau der sächsischen SPD benötigt werden, werden an die Hilfsorganisationen zur Unterstützung der Hochwasseropfer weitergeleitet.
Für den Freundeskreis Herbert-Wehner-Bildungswerk:
Dr. Jürgen Schmude, Sprecher, Bundesminister a.D.
Dr. Hans-Jochen Vogel, Parteivorsitzender a.D. und Gründungssprecher des Freundeskreises
Dr. Karl-Heinz Kunckel, stv. Sprecher, MdL
Hanjo Lucassen, stv. Sprecher, DGB-Landesvorsitzender Sachsen
Greta Wehner

Koordination: Dr. Christoph Meyer, c/o Freundeskreis Herbert-Wehner-Bildungswerk, Kamenzer Str. 12, 01099 Dresden, Telefon (03 51) 80 40 220, Telefax (03 51) 80 40 222, E-Mail freundeskreis@wehnerwerk.de, Internet: hier.

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Editorial zur Wehnerpost Nr. 9, Herbst 2002

(09.08.2002) Am 19. September 2001, nur acht Tage nach den schrecklichen Terroranschlägen in New York und Washington, hat das Herbert-Wehner-Bildungswerk in Dresden eine Diskussionsveranstaltung mit dem Titel "Daß die Gefahr gebannt werde - Vergeltung und Vorbeugung im Kampf gegen den Terrorismus" durchgeführt. Greta Wehner hat sich auf dieser Veranstaltung zu Wort gemeldet. Sie sagte: "Daß wir nicht Krieg wollen, sondern daß wir den Terrorismus bekämpfen wollen, das scheint mir das Wichtigste zu sein im Moment."

Der Politikprofessor Hartmut Elsenhans von der Universität Leipzig äußerte vom Podium aus: "Der Palästinakonflikt muß gelöst werden, und jetzt ist eine große Chance, das zu tun." Ein Jahr danach hat sich diese Hoffnung nicht erfüllt, im Gegenteil: Die Terroranschläge haben in Israel/Palästina als Brandbeschleuniger gewirkt, beide Seiten setzen mehr denn je auf eine gewaltsame Lösung des Konflikts. Und die Supermacht USA sieht sich offensichtlich außerstande, ihren Konflikt mit dem Irak auf friedliche Weise zu lösen.

Herbert Wehner hat in seiner langen politischen Laufbahn eine einzige Ehrendoktorwürde angenommen - diejenige der Hebräischen Universität Jerusalem. Darin werden besonders seine Verdienste um "Israels Kampf zur Sicherung seines Friedens und seines Überlebens" hervorgehoben. Heute sind der Frieden im Nahen Osten und die endgültige Sicherung der Existenz des israelischen Staates in weite Ferne gerückt.

1971 in Israel: Herbert Wehner
mit Ministerpräsidentin Golda Meir

Wie hätte Herbert Wehner auf den schrecklichen Bombenanschlag auf diese "seine" Universität im Juli reagiert? Vermutlich hätte er die Erklärung des Rektors der Hebräischen Universität, Prof. Menachem Magidor, vom 31. Juli 2002 begrüßt und respektiert. In dieser heißt es unter anderem: "Zu den Opfern gehören viele Mitglieder der Universitätsgemeinschaft - Studenten, Lehrer, Angestellte und Besucher aus allen Teilen der Welt. Sie sind Juden und Araber, Bürger der USA, Koreas, Frankreichs, Italiens und anderer Länder. Dieser Angriff ist nicht nur ein Verbrechen gegen Israel oder das jüdische Volk, er ist ein Angriff gegen die freie und aufgeklärte Welt. Als ich dastand und die Zerstörung sah, die Blutlachen und die Verwundeten, mußte ich mich fragen, wie wir mit Forschung, Lehre und anderen pulsierenden Aktivitäten fortfahren können, während wir um die Opfer trauern. Die Antwort ist klar, und sie läßt sich mit dem hebräischen Wort "davka" ausdrücken, "trotz allem". Die Ausführenden solcher abscheulicher Taten mögen diejenigen töten, denen wir nahe stehen, aber sie können nicht unsere Vision und unsere Entschlossenheit zerstören, weiter an der Schaffung einer Gesellschaft zu arbeiten, die auf Vernunft und gegenseitigem Verständnis beruht, und als eine Gemeinschaft von Forschenden und Studenten zu arbeiten, die Israelis jedweder Herkunft und Gäste aus der ganzen Welt willkommen heißt. Vor allem aber werden wir sie nicht unsere Sehnsucht nach Frieden töten lassen."

Christoph Meyer

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Wehnerwerk: Wieder Werkstatt

Petra Sielk erklärt, wie's geht.

(09.08.2002) Vom 15. bis 20. Juli 2002 hat das Herbert-Wehner-Bildungswerk seine dritte Sommerschule in Königsein (Sächsische Schweiz) durchgeführt, und zwar wieder als "Werkstatt Politische Bildung". Unter der Leitung von Petra Sielk, freiberufliche Trainerin, haben anderthalb Dutzend Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Woche lang intensiv Seminarleitungstechniken eingeübt. Dabei standen diesmal insbesondere die anschauliche Präsentation und Vermittlung von Lerninhalten, der optimale Seminarablauf sowie spielerische Methoden der Didaktik im Mittelpunkt. Viele der überwiegend jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren Studierende. "Von denen waren einige recht erstaunt, wie altbacken und unmodern die Hochschuldidaktik im Vergleich zur außerschulischen politischen Erwachsenenbildung ist", berichtet Christoph Meyer vom Herbert-Wehner-Bildungswerk.

Für die nächste Sommerschule steht der Termin bereits fest: 15. bis 21. August 2003.

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Die Deutschen und ihre Nation

Vortragsreihe in Zusammenarbeit mit der Dresdner Seniorenakademie Wissenschaft und Kunst

(29.07.2002) Die Entwicklung des deutschen Nationalstaats und der Vorstellung der Deutschen von ihrer Nation sind untrennbar miteinander verknüpft. Ein widersprüchlicher und langwieriger Prozeß führte zur Bildung des deutschen Nationalstaats. Er begann mit den Befreiungskriegen gegen Napoleon und wurde eigentlich erst mit der deutschen Vereinigung von 1990 abgeschlossen - so weit das heute zu beurteilen ist.

Der Nationalismus in Deutschland ist aufgrund seiner Exzesse in der NS-Zeit bis heute diskreditiert. Die Ursachen und Zusammenhänge gilt es zu verstehen, wenn wir heute ein angemessenes Verhältnis "der Deutschen" zu "ihrer Nation" finden bzw. diskutieren wollen. Dazu soll diese Vortragsreihe von Herbert-Wehner-Bildungswerk und Dresdner Seniorenakademie Wissenschaft und Kunst dienen. Sie ist in vier Themen unterteilt:

Der Vortragende:

Dr. Christoph Meyer, geb. 1966, Leiter des Herbert-Wehner-Bildungswerks in Dresden, ist Historiker und hat sich besonders mit Zeitgeschichte, Nationalismusforschung und der Geschichte der Arbeiterinnen- und Arbeiterbewegung beschäftigt. Veröffentlichungen u.a.: Die deutschlandpolitische Doppelstrategie. Wilhelm Wolfgang Schütz und das Kuratorium Unteilbares Deutschland 1954-1972, Landsberg am Lech 1997.

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Kürzung um 12.084 Euro

Freistaat Sachsen kürzt politische Bildung zusammen

(29.07.2002) Anfang Juli erhielt das Herbert-Wehner-Bildungswerk Post von der Sächsischen Staatskanzlei. Inhalt des Schreibens: Die Förderung wird im laufenden Jahr von knapp 110.000 Euro auf knapp 98.000 Euro gekürzt. Grund: Eine Haushaltssperre aufgrund von Steuermindereinnahmen.

"Das ist ein schwerer Schlag für uns", meint Geschäftsführer Christoph Meyer und fügt hinzu: "Wir werden die Kürzung aushalten - das bedeutet aber noch weniger Seminare im zweiten Halbjahr und Einsparungen bei der Öffentlichkeitsarbeit. Zum Beispiel: Nur sechs Seiten 'Wehnerpost'. Für die politische Bildung in Sachsen ist das nicht gut." Mitten im laufenden Haushaltsjahr trifft die Kürzung das Bildungswerk besonders: "Da ist unsere Manövrierfähigkeit natürlich eingeschränkt", so Meyer.

Unter dem Finanzminister Georg Milbradt (CDU) war der Etat für politische Bildung bereits in den Jahren 1993 und 1995-97 zusammengestrichen worden. Die gesamte Streichsumme für das Herbert-Wehner-Bildungswerk beläuft sich inzwischen auf über 100.000,- DM. "Dieses Geld fehlt für die Förderung bürgerschaftlichen Engagements", sagt Christoph Meyer. Bei Kollegen aus der politischen Bildung in den Altbundesländern hat Meyer sich umgehört, ob es dort ebenfalls solche Kürzungen gibt: "Die haben sich über meine Geschichte sehr gewundert, sowas kannten die nicht."

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Neue Formen, mehr Selbstbewußtsein

10 Jahre Herbert-Wehner-Bildungswerk – Impulse für mehr Engagement

Das Podium in der Dreikönigskirche.

(15.07.2002) Gut gefüllt war der Festsaal der Dresdner Dreikönigskirche am 11. Juli 2002, dem 96. Geburtstag von Herbert Wehner. Über 180 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Sachsen und dem ganzen Bundesgebiet waren gekommen zur Podiumsdiskussion "Demokratie ohne Wurzeln?" des Herbert-Wehner-Bildungswerks.

Kerstin Kraege vom sächsischen Netzwerk für Demokratie und Courage brachte es auf den Punkt und benannte Demokratiedefizite als Ursache der Krise bürgerschaftlichen Engagements: "Die jungen Leute verlieren das Interesse an der Politik, wenn sie merken, daß sie nicht mitgestalten können." In der Diskussion kam aber auch die andere Seite der Medaille zur Sprache: Mehr Selbstbewußtsein und ein offensiveres Eintreten für die eigenen Interessen seitens der Bürgerinnen und Bürger forderten vor allem die beiden Ex-Bundesminister Jürgen Schmude und Hans-Jochen Vogel ein. Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, stellte die Frage, ob die seiner Ansicht nach oft unflexiblen Strukturen der Parteipolitik für die Gewinnung neuer politisch Engagierter überhaupt noch geeignet seien. "Die früheren Generationen sind auch nicht in die Parteien gestürmt", konterte Jürgen Schmude.

Hans-Jochen Vogel engagiert
sich seit über 50 Jahren.
Zahlreiche Gäste kamen
zur Podiumsdiskussion.

Großes Interesse fand die Ausstellung
des Bildungswerks.
Greta Wehner traf zahlreiche
Freunde wieder.

Jürgen Schmude leitete
das Freundeskreistreffen.

Am Ende blieben viele Fragen offen - einig war sich das Podium jedoch dahingehend, daß mehr und selbstbewußteres Engagement breiter Bevölkerungskreise in Politik und Bildung notwendig sei.

Viel beachtet wurde eine Ausstellung des 1992 gegründeten Bildungswerks zu seiner 10jährigen Geschichte. Im Anschluß an die Podiumsdiskussion fand das traditionelle Grillfest des Freundeskreises im Garten des Herbert-Wehner-Bildungswerks in der Dresdner Neustadt statt. Über 100 Gäste feierten den Geburtstag von Herbert Wehner und des Bildungswerkes in beschwingter Atmosphäre.

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Sozialdemokratische Wurzeln in Sachsen?

Dr. Karsten Rudolph referiert über das rote Sachsen

Am Donnerstag, den 27. Juni 2002 um 19.30 Uhr spricht der Historiker Dr. Karsten Rudolph im Herbert-Wehner-Bildungswerk zum Thema "Schwarzes Königreich oder Rote Republik". Die Vortrags- und Diskussionsveranstaltung im Rahmen des "Sachsenforum" im Herbert-Wehner-Bildungswerk ist öffentlich.

In Sachsen stand die Wiege der deutschen Arbeiterbewegung. 1863 war der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein mit Lassalle an der Spitze in Leipzig gegründet worden; die beiden anderen Gründerväter der SPD, August Bebel und Wilhelm Liebknecht, kamen aus der Sächsischen Volkspartei. Mit mehr als 177.500 Mitgliedern im Jahre 1914 war die sächsische SPD stärker als die Sozialisten in Frankreich und Italien zusammen. Nach dem Ersten Weltkrieg baute die Sozialdemokratie, die gemeinsam mit Unabhängigen und Kommunisten die Mehrheit im Landtag stellte, an Sachsen als einem "linksrepublikanischen Projekt".

Inwiefern hat diese Tradition Sachsen geprägt? Was bedeutet diese Tradition heute?

Gibt es Anknüpfungspunkte für moderne sozialdemokratische Politik, Begründungszusammenhänge aus den Traditionen der demokratischen Arbeiterbewegung in Sachsen, an die sich programmatisch anknüpfen läßt? Diesen Fragen sollen Vortrag und Diskussion dieser Veranstaltung des Herbert-Wehner-Bildungswerks nachgehen.

Zur Person: PD Dr. Karsten Rudolph

Dr. Karsten Rudolph ist Historiker am Institut für soziale Bewegungen an der Ruhr-Universität Bochum. Im Jahre 1995 erschien seine umfassende Studie "Die sächsische Sozialdemokratie vom Kaiserreich zur Republik, 1871-1923". In der NRW-SPD engagiert sich Karsten Rudolph als stellvertretender Landesvorsitzender.

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Diskussionsveranstaltung wird verschoben

Bourdieu-Abend in Leipzig jetzt im Juli

Der für Donnerstag, den 13. Juni 2002 für 19.00 Uhr in der Leipziger Moritzbastei angekündigte Diskussionsabend des Herbert-Wehner-Bildungswerks "Für eine engagierte Wissenschaft" muß verschoben werden. Neuer Termin ist Mittwoch, der 10. Juli 2002 um 19.00 Uhr.

Grund für die Verlegung sind dringende persönliche Verpflichtungen eines der beiden Referenten. "Wir werden diesen Termin mit dem Soziologen Uwe Bittlingmayer und dem Historiker Ulrich Brieler schnellstmöglich nachholen. Die Auseinandersetzung mit dem französischen Soziologen Pierre Bourdieu ist schließlich ein hoch interessantes Thema", so Christoph Meyer vom Herbert-Wehner-Bildungswerk.

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"Demokratie ohne Wurzeln?"

Podiumsdiskussion mit Prominenten zu 10 Jahren Herbert-Wehner-Bildungswerk

Am Donnerstag, den 11. Juli 2002 ab 17.30 Uhr diskutieren Hans-Jochen Vogel, Jürgen Schmude, Thomas Krüger und Kerstin Kraege in der Dresdner Dreikönigskirche (Hauptstraße 23) über den Stand der Politischen Bildung in Ostdeutschland. Die Diskussion aus Anlaß des 10jährigen Bestehens des Herbert-Wehner-Bildungswerks wird moderiert von Dieter Schütz, Ressortleiter Politik der Sächsischen Zeitung.

"Hinter dem provokanten Titel ′Demokratie ohne Wurzeln?′ steckt die These", so Christoph Meyer vom Dresdner Herbert-Wehner-Bildungswerk, "daß es nach über zehn Jahren nach wie vor keine ausreichend fest in der Bevölkerung verankerten Strukturen zivilgesellschaftlicher Mitwirkung und Betätigung gibt. Das hat seine Ursachen nicht in erster Linie in den vierzig Jahren DDR, sondern zu allererst in Versäumnissen nach der Wende", fügt Meyer hinzu: "Was der Westen uns an Engagement und zivilgesellschaftlichen Strukturen voraus hat, das sind Überbleibsel aus der Zeit vor 1989", behauptet er. Die Diskussionsveranstaltung soll den Ursachen nachgehen und nach Wegen zu stärkerem demokratischem Mitwirken der Bevölkerung suchen. Die Podiumsteilnehmer sind:

Am 11. Juli, dem Tag der Veranstaltung, wäre der bedeutende in Dresden geborene SPD-Politiker Herbert Wehner 96 Jahre geworden. Wie jedes Jahr trifft sich aus diesem Anlaß der Freundeskreis Herbert-Wehner-Bildungswerk zu einer Sitzung unter der Leitung seines Sprechers. Der in seiner Art einzigartige Freundeskreis umfaßt über 380 Mitglieder aus Sachsen und ganz Deutschland, die die Arbeit des Herbert-Wehner-Bildungswerks finanziell und ideell unterstützen. Für die Mitglieder des Freundeskreises hat das Bildungswerk neben der öffentlichen Diskussionsveranstaltung noch ein abendliches Grillfest sowie am Freitag, dem 12. Juli 2002, ein kleines Dresden-Programm organisiert. Im Rahmen dieses Dresden-Programms findet wiederum eine öffentliche Stadtteilführung "Auf den Spuren Herbert Wehners in Dresden" statt.

Informationen über den Freundeskreis Herbert-Wehner-Bildungswerk hier. Weitere Informationen über das Veranstaltungsprogramm telefonisch unter (03 51) 80 40 220 oder ab zweite Junihälfte auf dieser Homepage.

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Ein Frühlingsgruß vom Wehnerwerk

Über 12.000 Dresdnerinnen und Dresdner ...

(02.05.2002) ... haben am 1. Mai Gesicht gezeigt gegen den Rechtsextremismus und für die Demokratie. Der Flieder blüht im Garten des Herbert-Wehner-Bildungswerks in der Dresdner Neustadt. Wir freuen uns: In Dresden wird es Frühling!

Diesen Frühlingsgruß verbinden wir mit dem Hinweis, daß aktuelle Informationen, Pressemitteilungen und Seminarprogramme des Herbert-Wehner-Bildungswerks ganz einfach per E-Mail bezogen werden können.

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Thomas Jurk sprach im Sachsenforum

SPD-Fraktionsvorsitzender forderte klaren Oppositionsstil

(02.05.2002) Am Donnerstag, den 25. April 2002, sprach Thomas Jurk, MdL und Vorsitzender der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, im Herbert-Wehner-Bildungswerk zum Thema "Politische Kultur in Sachsen". Gegenstand seiner Ausführungen im gut besuchten Ladenlokal des Bildungswerks in der Dresdner Neustadt war die Rolle von Regierung und Opposition in der Demokratie.

Dabei ging Jurk vor allem auf die Art und Weise ein, wie die SPD-Opposition im Landtag sich am besten profilieren könne. Seiner Auffassung nach müsse sie sich "als Kraft der Reform, der Modernisierung darstellen", ihre Markenzeichen sollten "Lebendigkeit vor Erstarrung", "geistige Flexibilität", "Schnelligkeit", "Umtriebigkeit" anstelle von Langsamkeit und ängstlichem Verharren sein. Die SPD solle im Rahmen der demokratischen Auseinandersetzung auch polarisieren. Jurk: "Wir müssen die Erregungskurve unserer Sympathisanten hochfahren".

Zur Zusammenfassung des Abends durch Eckbert Müller: hier. Zum Sachsenforum: hier

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Trauer um Wilhelm Wolfgang Schütz

Wegbereiter der Neuen Ostpolitik gestorben

(16.04.2002) Das Herbert-Wehner-Bildungswerk trauert um sein Freundeskreismitglied Wilhelm Wolfgang Schütz. Der ehemalige Politiker, Schriftsteller und Journalist ist in der Nacht zum Montag im Alter von 90 Jahren in Köln gestorben.

Wilhelm Wolfgang Schütz wurde am 14. Oktober 1911 in Bamberg geboren. Der promovierte Staatswissenschaftler mußte Deutschland Mitte der 30er Jahre aus politischen Gründen verlassen. In England bemühte er sich, die Opposition gegen Nazideutschland zu organisieren. Von 1941 bis 1951 war er Londoner Korrespondent der Neuen Zürcher Zeitung.

Anfang der 50er Jahre nach Deutschland zurückgekehrt, betrieb Schütz vorrangig Politik für Deutschlands Einheit. Unter anderem zusammen mit Herbert Wehner und Jakob Kaiser gründete er 1954 das Kuratorium Unteilbares Deutschland. Bis Anfang der 70er Jahre war er der Chef dieser überparteilichen "Volksbewegung für die Wiedervereinigung". In dieser Zeit publizierte er zahlreiche Denkschriften und Bücher. Darunter war "Das Gesetz des Handelns" (1958), worin er als erster die Begriffe "Neue Ostpolitik" und "Politik der kleinen Schritte" propagierte. In den 60er Jahren half Schütz, die Ostpolitik der sozialliberalen Koalition konzeptionell vorzubereiten und politisch durchzusetzen.

Als die CDU/CSU im April 1972 versuchte, die Regierung Brandt durch ein konstruktives Mißtrauensvotum zu stürzen, tat Wilhelm Wolfgang Schütz, was er für notwendig hielt. In der Stunde der Gefahr für die Neue Ostpolitik konnte er parteipolitische Abstinenz nicht mehr verantworten. Am Tag des Mißtrauensvotums trat er demonstrativ der Berliner SPD bei.

Gleichzeitig trat er von seinem Amt als Geschäftsführender Vorsitzender des Kuratoriums Unteilbares Deutschland zurück. Fortan betätigte er sich in der Schweiz als Journalist und Dramatiker. Als Politiker geriet er in Vergessenheit.

Wilhelm Wolfgang Schütz war kein Mann von rückblickenden, historischen Betrachtungen. In jeder Phase seines Lebens, mit jeder Faser seines Wesens suchte er die Politiker und die Menschen in Ost und West zu einer Verständigung zu treiben. Dieses Ziel war ihm wichtiger als das persönliche Fortkommen.

Wilhelm Wolfgang Schütz hat Wichtiges für die Deutschlandpolitik geleistet. Dieses und seine Freundschaft werden wir nicht vergessen.

Weitere Informationen zu Wilhelm Wolfgang Schütz finden Sie hier.

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Flottester Wehner-Spruch ermittelt

Münchener gewann ersten Wettbewerb des Herbert-Wehner-Bildungswerks

(11.04.2002) Willy Brandt nimmt gerade Platz. Und da sagt Herbert Wehner zum skeptisch dreinblickenden Helmut Schmidt: "Nich' sauer sein: Erst er, dann du... Ich hab' das schon geplant..." Diese (natürlich fiktiven) Worte legte Falko Blumenthal aus München dem SPD-Urgestein in den Mund. Und gewann damit den Wettbewerb "Ein schöner Spruch für Herbert Wehner", den das Bildungswerk im März 2002 zum ersten Mal durchgeführt hat .

Anlaß des Wettbewerbs waren die Jugend-Politiktage der Bundesjugendministerin in Berlin vom 13. bis 15. März, an denen das Herbert-Wehner-Bildungswerk mit einem Rhetorik-Crash-Kurs "Karacho - wir haben's drauf - Reden wie Wehner!" teilnahm. Das Bildungswerk hatte ein Foto mit der Troika Schmidt, Brandt und Wehner mit einer Sprechblase versehen und auf die witzigsten und originellsten Einfälle gewartet. Unter den zahlreichen Beiträgen schoß Falko Blumenthal den Vogel ab - und gewann die kostenlose Teilnahme an der einwöchigen Sommerschule des Bildungswerks in Königstein (siehe auch Seminar 0201).

Bildungswerks-Chef Christoph Meyer, der am 9. April mit seinen Mitarbeiterinnen und einigen Journalisten die Jury zur Auswertung des Wettbewerbs bildete: "Mir hat das Spaß gemacht, so was machen wir wieder. Übrigens: Auch Greta Wehner fand den Wettbewerb lustig."

Über Buch- und Sachpreise freuen können sich die VerfasserInnen der folgenden Sprüche:

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"Manager ihrer eigenen Biographie"?

Juso-Chef sprach vor Jungen und Alten über die Jugend von heute

Niels Annen sprach in Dresden

(12.03.2002) Niels Annen aus Hamburg, 26jähriger Vorsitzender der Jugendorganisation der SPD, sprach auf einer gemeinsamen Veranstaltung von Herbert-Wehner-Bildungswerk und Dresdner Seniorenakademie Wissenschaft und Kunst über die Jugend von heute. Der Chef der Jusos stellte vor interessierten Zuhörerinnen und Zuhörern aus allen Generationen "eine skeptische bis ablehnende Haltung bei Jugendlichen gegenüber der etablierten Politik" fest. Früher seien die Jungen als per se "Linke" angesehen worden, heute könne dies nicht mehr gelten. Überhaupt, so Annen, träfen alle Schlagworte und Kategorisierungen auf die heutige Jugend nicht zu. Entscheidend sei es nicht, darüber zu debattieren, ob es sich heute um eine "Null-Bock-Generation", eine "Generation X", eine "Generation @", ob es sich um die "Generation Guido", die "Generation Golf", die "Generation Ally" oder die "Generation Berlin" handele. Annen lehnte diese Schlagworte ab und forderte statt dessen "Generationengerechtigkeit".

Das sei natürlich schwierig, in einer Zeit, in der das politische Engagement junger Menschen nachlasse, und viele sich in erster Linie als "Manager ihrer eigenen Biographie" verstehen, die aber nichts desto weniger auch Ansprüche an staatliche Sicherung hätten. Die politischen Organisationen müßten nur eben der Ort werden, an denen solche Ansprüche debattiert bzw. formuliert werden.

Die Ausführungen des Juso-Chefs wurden von den fast 40 Anwesenden engagiert diskutiert. Martin Dulig, sächsischer Juso-Landesvorsitzender und SPD-Bundestagskandidat, wies auf die besonderen Problemlagen im Osten Deutschlands hin. Es gebe das Schlagwort "Die Jugend im Osten geht entweder in den Westen oder nach rechts", so Dulig. Auch wenn er den Ausspruch in dieser Ausschließlichkeit nicht gelten lassen wollte, betonte Dulig, daß zentrale politische Herausforderungen hier in Sachsen die Bekämpfung der Abwanderung und das Verhindern des Herabgleitens junger Menschen in den Rechtsextremismus seien.

Ein älterer Zuhörer warf ein, daß Erziehung und Bildung der jungen Generation deutlich mehr Werte vermitteln müsse als bisher. "Opa, ich will eigentlich Kohle machen" - das reiche nicht aus. Der Notwendigkeit zu Reformen im Bildungsbereich widersprach Niels Annen nicht. Aber: "Wenn keine Arbeitsplätze geschaffen werden, dann nützt die beste Bildung nichts."

Der sächsische SPD-Landtagsabgeordnete Karl Nolle betonte in der Diskussion, daß man sich angesichts von Abwanderung, dem Ausbleiben wirtschaftlicher Entwicklung und der verbreiteten Enttäuschung angesichts von Billiglöhnen und fehlenden Perspektiven auch nicht über Politikverdrossenheit wundern müsse. Entscheidend sei es, daß die Politik etwas tue, um die Lebensverhältnisse und Chancen für die Menschen zu verbessern. Darauf - und auf die Notwendigkeit, daß politische Institutionen sich den Menschen gegenüber öffnen, ihnen tatsächlich mehr und breiteren Zugang verschaffen, konnten sich alle Anwesenden schließlich einigen.

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Rühle-Vortrag in der Stadtbibliothek Pirna

Das Lebenswerk Otto Rühles ...

(04.03.2002) ... ( Reichstagsabgeordneter der SPD 1912-1918 für den Wahlkreis Groß-Pirna) und seine Bedeutung für die moderne Sozialwissenschaft war das Thema eines Vortrages, den Gerd Stecklina, TU Dresden, am 20. Februar 2002 im Gotischen Saal der Stadtbücherei Pirna hielt. Veranstalter war das Herbert-Wehner-Bildungswerk Sachsen. Stecklina gab einer (leider recht kleinen) Schar historisch interessierter Zuhörer einen Überblick darüber, was er im Rahmen seiner Doktorarbeit über Otto Rühle zusammengetragen hat. Mit der folgenden Zusammenfassung wird gleichzeitig klar, warum Rühle eine bleibende Ehrung in der Stadt Pirna verdient hat:

Einen Bezug zu Pirna hat Otto Rühle zwar durch die Sozialdemokratie - für eine Würdigung ausschlaggebend sollte aber neben seinem noch heute von der Wissenschaft beachteten Gesamtschaffen sein, daß Rühle in den ideologischen Auseinandersetzungen speziell der Weimarer Zeit seine Stimme für geistige Freiheit und Menschenwürde sowie gegen jegliche Art totalitärer Machtausübung erhob. Für erwähnenswert halte ich auch, daß beim jungen Rühle eine poetische Ader zu Tage trat, auf die Stecklina mit dem Vortrag von zwei durchaus anmutigen Gedichten hinwies.

Klaus Heyde, Pirna, Mitglied des Freundeskreises Herbert-Wehner-Bildungswerk

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"Generation XY ungelöst?"

Juso-Bundesvorsitzender kommt nach Dresden

(25.02.2002) Niels Annen, Bundesvorsitzender der SPD-Jugendorganisation "JungsozialistInnen" wird am Dienstag, den 12. März 2002 an der TU Dresden einen Vortrag halten. Im Hörsaalzentrum (Bergstraße 64, Raum E05) spricht der 27jährige um 17.00 Uhr zum Thema "Generation XY ungelöst? - Jugend heute". Der Vortrag ist öffentlich; der Eintritt ist frei.

"Generation X", "Generation Berlin", "Generation Golf", neuerdings heißt es "Generation XY ungelöst?" - Schienen frühere Generationen klar bestimmten Ideen und Wertorientierungen, Protest- oder auch Anpassungshaltungen zuzuordnen, so scheint vielen die Entwicklung heute unklar.

Einer, der es eigentlich wissen müßte, ist der Hamburger Geschichtsstudent Niels Annen. Seit 2001 führt er den (immer noch) größten Jugendverband Deutschlands, die Jusos. Welches ist also die Rolle, die die Jugend von heute spielt - und was ist von ihr in Zukunft zu erwarten? Auf einen etwa 30minütigen Vortrag folgt eine sicherlich spannende Diskussion, zu der Herbert-Wehner-Bildungswerk und Dresdner Seniorenakademie Wissenschaft und Kunst einladen.

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