Nachrichten aus dem Jahr 2001

Nachrichten aus den Jahren 1999, 2000, 2001, 2002, 2003, 2004 und 2005.


Kommentar zur großen Politik

(06.12.2001) Erstaunlich schnell hat das von den USA geführte Bündnis gemeinsam mit der Nordallianz das Regime der Taliban in Afghanistan stürzen können. Und ebenso erstaunlich schnell und offensichtlich erfolgreich hat die Petersberger Konferenz Grundsteine für eine Friedensordnung in dem seit Jahrzehnten von Krieg und Bürgerkrieg heimgesuchten Land legen können.

Herbert Wehner hat 1977 aus Anlaß der Entführung von Hanns-Martin Schleyer gesagt: "Wenn die Zeit der Analyse der blutigen und schmerzhaften Ereignisse gekommen sein wird, kommt auch die Chance zur kritischen und selbstkritischen Auseinandersetzung über die dabei zur Wirkung gekommenen Faktoren." Diese betreffen sowohl die Innen- als auch die Außenpolitik.

Beunruhigend finde ich die Folgen für die Innenpolitiken verschiedener Länder. Zuvörderst die USA. Dort wird im Namen der Verteidigung der Freiheit eine der freiheitlichsten Verfassungen der Welt, ein "Gesamtkunstwerk", wie es der Politologe Ernst Fraenkel genannt hat, durchlöchert. Zum Beispiel die Einführung der geheimen Militärgerichtsbarkeit mit möglichem Todesurteil unter Ausschluß der Öffentlichkeit für der Unterstürzung des Terrorismus Verdächtige. Und in Deutschland? Wollen wir hoffen, daß es mit dem Sicherheitspaket nicht so ist wie mit den Vorkehrungen auf dem SPD-Parteitag in Nürnberg. Die Delegierten und Gäste wurden streng durchsucht, alle waren prinzipiell zunächst einmal verdächtig und bekamen das auch zu spüren. Die meisten haben das klaglos akzeptiert, aber viele hatten das Gefühl, daß wirkliche Sicherheit auch auf diesem Weg nicht zu erreichen war.

Außenpolitisch: Die Unterstützung der US-Öffentlichkeit und -Eliten für die Politik der Bush-Administration stärkt deren Handlungsmöglichkeiten. Denn innenpolitische Rücksichtnahmen verlieren an Gewicht. Nachhaltige Terrorismusbekämpfung und kriegerische Maßnahmen werden zur Zeit als Einheit gesehen. Wenn sich das ändert, also Bush einmal zwischen beidem entscheiden muß oder möchte, dann hat er freie Wahl. Das betrifft auch die Politik gegenüber Israel/Palästina. Wenn also eine rationale Analyse zu dem Ergebnis kommen sollte, daß Sharons Politik darauf abzielt, in den Palästinensern den Feind zu bekommen, den man als Kriegsgrund braucht, und daß das den internationalen Terrorismus weiter stärkt, dann kann die Bush-Regierung hier Druck ausüben. Sie kann aber auch die Palästinenser insgesamt zum Feind und zum Urheber des Terrorismus erklären. Dann allerdings wird der Krieg gegen den Terrorismus möglicherweise ein Schrecken ohne Ende.

Vor diesem Hintergrund ist es gut, daß unsere Bundesregierung mit im Bündnis ist. Das verschafft wichtige Einflußmöglichkeiten; es braucht die Staatskunst, sie zu nutzen.

Christoph Meyer

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Wehnerwerk auf dem Parteitag

Am Stand des Bildungswerks: Hannelore Rollow,
Christoph Meyer und Greta Wehner.

(06.12.2001) Auf dem Bundesparteitag der SPD in Nürnberg vom 19. bis 22.11.2001 war auch das Herbert-Wehner-Bildungswerk als Aussteller mit einem Stand vertreten. Besondere Aufmerksamkeit fanden die zum Verkauf ausgestellten Wehner-Bücher und Videos sowie die Seminarangebote des Bildungswerks. Sie wurden sogar in der überregionalen Presse erwähnt - von der Frankfurter Allgemeinen bis zum Tagesspiegel.

Über den eigenen Stand hinaus war das Herbert-Wehner-Bildungswerk auf dem Parteitag auch in der Präsentation des Netzwerks Politische Bildung vertreten.Sachsenforum im Wehnerwerk

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"Ihr werdet das Kind schon schaukel"

Klaus Heyde veröffentlicht Kommunikationsfibel für Eheleute

(06.12.2001) Mit dieser Vorstellung beginnen wir eine Reihe, in der wir auf Buchveröffentlichungen aus dem Freundeskreis Herbert-Wehner-Bildungswerk aufmerksam machen. Den Anfang macht Klaus Heyde, Freundeskreismitglied aus Pirna (Sächsische Schweiz). Der Verfahrenstechniker und literarische Seiteneinsteiger hat soeben sein "kleines Abc zum Miteinanderreden in der Ehe" veröffentlicht. In lockerer und unterhaltsam geschriebener Form erhält der Leser einen Überblick über und Hinweise zu Gestaltungsmöglichkeiten für gelungene Kommunikation sowie Einblicke in psychologische Zusammenhänge des Ehelebens. Zahlreiche Kariktauren machen das kleine Bändchen sowohl informativ als auch unterhaltsam.

Klaus Heyde: Ihr werdet das Kind schon schaukeln. Ein kleines Abc zum Miteinanderreden in der Ehe, ISBN 3-8301-0212-7.

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Sachsenforum im Wehnerwerk

Vortrags- und Diskussionsreihe zur Landespolitik

(05.12.2001) Dresden ist die Landeshauptstadt des Freistaats Sachsen. Hier ist der Sitz von Regierung und Parlament, von hier aus wird das Land verwaltet. Hierhin gehört daher auch die Diskussion über landespolitische Themen.

Dazu ergreift das Herbert-Wehner-Bildungswerk die Initiative. In offenen Gesprächen sollen Politikerinnen und Politiker verschiedener Parteien ihre Vorstellungen zur Diskussion stellen. Experten zu Fachthemen präsentieren ihre Ideen. Unabhängig von der Parteizugehörigkeit soll an Modellen für die Zukunft des Freistaats gearbeitet werden.

Der Donnerstagabend ist künftig einmal pro Monat für das Sachsenforum im Wehnerwerk reserviert.

Übersicht über die Termine der Reihe

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Constanze Krehl im Wehnerwerk

Start der Reihe "Sachsenforum"

Constanze Krehl am Stand des Herbert-Wehner-
Bildungswerks auf dem Nürnberger Parteitag der SPD

(05.12.2001) Constanze Krehl, Europaabgeordnete und Vorsitzende der SPD Sachsen, sprach am 29. November 2001 im Herbert-Wehner-Bildungswerk. Thema der Abendveranstaltung: Wie will die SPD Sachsen gestalten? Die Veranstaltung bildet den Auftakt zu einer landespolitischen Vortragsreihe "Sachsenforum im Wehnerwerk", welche ab Februar 2002 fortgesetzt wird.

Wirtschaftspolitik, EU-Osterweiterung und Bildungspolitik, das sind nach Auffassung der Landesvorsitzenden die drei wichtigen Zukunftsthemen für die sächsische SPD. In erster Linie müsse eine tragfähige Wirtschaft geschaffen werden, in zweiter Linie seien arbeitsmarktpolitische Schritte notwendig, so Krehl. Bei der Europapolitik gehe es darum, die mit der Erweiterung ab 2004 verbundenen Chancen und Risiken zu benennen, aber seitens der Sozialdemokratie insbesondere die Chancen positiv zu besetzen. Beim modernen Bildungsstandort Sachsen gehe es um alle Sektoren, von den Kindereinrichtungen bis zur Weiterbildung. Notwendig für den Wettbewerb sei es, führte Krehl aus, Sachsen zu einem modernen Bildungsstandort zu machen. Hier sei insbesondere das Schulsystem zu verbessern. Die Schulen müßten sowohl Werte vermitteln als auch Kreativität fördern.

Zahlreiche Zuhörer lauschten dem Vortrag, darunter viele Mitglieder und Funktionäre der Dresdner SPD. Die Diskussion verlief kontrovers aber sachlich. Dabei stand vor allem die Entwicklung der sächsischen SPD im Mittelpunkt. Diskussionsleiter Christoph Meyer vom Herbert-Wehner-Bildungswerk mußte verschiedentlich darauf hinweisen, daß es sich bei der Veranstaltung nicht um die organisationspolitische Konferenz einer Partei, sondern um ein öffentliches Seminar der politischen Bildung handelte. So blieb an manchen Punkten noch etwas schleierhaft, wie denn die sächsische SPD die Zukunft des Freistaats gestalten will.

"Macht nichts", so Meyer hierzu: "Mit dieser Veranstaltung stehen wir ja erst am Anfang einer Reihe, die im kommenden Jahr fortgeführt wird." Jeweils donnerstags wird das Herbert-Wehner-Bildungswerk im Jahr 2002 einmal monatlich zum "Sachsenforum im Wehnerwerk" einladen. Für den 21. Februar ist angefragt: Cornelia Ernst, Landesvorsitzende der PDS. Für den 21. März hat Hermann Winkler, Generalsekretär der Sachsen-CDU, zugesagt, und am 25. April referiert Thomas Jurk, Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion über das Verhältnis von Regierung und Opposition in der sächsischen Demokratie.

Der Terminkalender der Reihe wird laufend aktualisiert. Den jeweils aktuellsten Stand gibt's hier.

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Parteitagsantrag zur politischen Bildung

Änderungsantrag zum Leitantrag Bildung vom SPD-Ortsverein Dresden-Neustadt für den Bundesparteitag

(24.09.2001) Der SPD-Ortsverein Dresden-Neustadt hat einen Änderungsantrag zum Leitantrag Bildung für den SPD-Bundesparteitag in Nürzberg vom 19. bis 22. November 2001 gestellt. Darin geht es um die politische Bildung, die "die Bürgerinnen und Bürger zum aktiven staatsbürgerlichen Engagement, zur Mitwirkung an der Gestaltung des Gemeinwesens ermutigen und befähigen" soll. Die Dresdner fordern den systematischen Ausbau der politischen Bildung auf allen Ebenen und wollen, daß die SPD eine "lernende Partei" wird. Aus der bayerischen SPD gibt es bereits Signale zur Unterstützung dieses Antrags. "Wir freuen uns über jede weitere Unterstützung", so die stellvertretende Ortsvereinsvorsitzende Margarete Füßer.

Es folgt der Text des Antrags.

Politische Bildung

In der Wissensgesellschaft treten die Menschen zunehmend aus alten, traditionellen Bindungen und Milieus heraus. Dies eröffnet einen nie gekannten Entfaltungsraum für die Potentiale der Individuen. Gleichzeitig bedeutet es, daß die Bindung an Wertorientierungen und Weltanschauungen zunehmend weniger selbstverständlich ist. Dies betrifft auch das Bekenntnis zum Gemeinwesen, zum solidarischen Zusammenleben in einer pluralistisch verfaßten Demokratie. Politisches Engagement, die aktiv tätige Mitwirkung zwischen den Wahlterminen ist immer weniger selbstverständlich.

Angesichts der mit der Globalisierung einhergehenden zunehmenden Komplexität der gesellschaftlichen Verhältnisse wird politische Bildung um so notwendiger. Denn sie dient der Förderung des Verständnisses von Strukturen, Akteuren und Prozessen. Politische Bildung soll die Bürgerinnen und Bürger zum aktiven staatsbürgerlichen Engagement, zur Mitwirkung an der Gestaltung des Gemeinwesens ermutigen und befähigen. Sie ist handlungsorientiert.

Politische Bildung kann weltanschaulich gebunden sein. In keinem Falle ist sie wertfrei. Nie jedoch darf sie die Bürgerinnen und Bürger bevormunden. In diesem Spannungsfeld bewegt sich die politische Bildung. Sie ist nicht einfach Staatskundeunterricht, sondern sie gibt den Menschen Anregungen zur freien Betätigung im demokratischen Gemeinwesen. Politische Bildung eröffnet neue Chancen.

Diesen Anforderungen muß sich die politische Bildung in allen öffentlichen oder öffentlich geförderten bzw. geforderten Zweigen unseres Bildungssystems stellen. Dies betrifft den Unterricht in Schulen, Berufsschulen, Volksschulen, Hochschulen und Weiterbildungseinrichtungen.

Darüber hinaus gibt es einen breit gefächerten Sektor der politischen Jugend- und Erwachsenenbildung, welcher der Aufmerksamkeit und der Förderung bedarf. Auch finanzieller Förderung. Denn das demokratisch verfaßte Gemeinwesen hat das berechtigte Interesse und die Aufgabe, sich selbst zu schützen, sich zu stärken und sich den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gewachsen zu zeigen.

Hier kommt den entsprechenden Institutionen des Staates, der Bundeszentrale und den Landeszentralen für politische Bildung eine wichtige Aufgabe zu. Sie unterstützen und sie fördern die politische Bildung, die in den klassischen Bildungssystemen sowie in einer Vielzahl von Stiftungen, Vereinen und Initiativen praktiziert wird. Diese Vielzahl muß erhalten und durch solide, nachhaltige öffentliche Finanzierung mit Augenmaß ausgebaut werden. Ob konfessionelle, bürgerrechtliche, parteinahe, gewerkschafts- oder verbandsnahe, themenbezogene, generationenspezifische, regional oder anders orientierte Gruppen, Vereine oder Stiftungen – sie alle bereichern die politische Kultur, und sie alle wirken am Erhalt und am Ausbau der Demokratie mit. Sie gehören zum Fundament der Zivilgesellschaft. Und sie können, wenn das richtige Verhältnis zwischen öffentlicher Förderung und Marktbezogenheit durch Orientierung an Bedürfnissen und Erfordernissen der gesellschaftlichen und technischen Entwicklung gefunden wird, Innovations- und Kompetenzzentren sein.

Eine solide und kompetente öffentliche Kontrolle solcher Institutionen ist notwendig. Entscheidend für eine Beurteilung wird sein, daß die Arbeit in der politischen Bildung auch tatsächlich öffentlich wirksam wird und daß die Institutionen mit öffentlichen Mitteln verantwortungsbewußt und im Sinne des Gemeinwohls umgehen. Eine Gängelung und Bevormundung durch den Staat würde jedoch Pluralität und Innovationskraft gefährden. Darum lehnen wir sie ab. Die freiheitliche Demokratie braucht freie politische Bildung.

Neben der Absicherung und Förderung aller genannten Formen der politischen Bildung wollen wir die der Sozialdemokratie nahestehenden Bildungsträger im Sinne der oben beschriebenen Zielsetzung unterstützen. So erarbeiten sie sich eine Kompetenz, die im solidarischen Wettstreit um die besten Lösungen im öffentlichen Interesse ein ermutigendes Beispiel für andere Organisationen und Institutionen geben kann. Und, sozusagen nebenbei, wird die SPD zur lernenden Partei.

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Wehnerwerk Mitglied in der ADB

Jährliche Mitgliederversammlung des Dachverbandes unabhängiger Bildungsträger in München

(13.09.2001) Am Samstag, den 8. September 2001 wurde das Herbert-Wehner-Bildungswerk Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Demokratischer Bildungswerke e.V. (ADB). Der Dachverband unabhängiger Bildungsträger stimmte auf seiner jährlichen Mitgliederversammlung in München einstimmig für die Aufnahme des Bildungswerks der sächsischen Sozialdemokratie. Die ADB ist einer der größten Bildungsträger Deutschlands, der mit der Bundeszentrale für politische Bildung zusammenarbeitet. Auf der Mitgliederversammlung wurde darüber diskutiert, die ADB noch stärker zur Vernetzung der Mitglieder und zur inhaltlichen Diskussion über die Belange der politischen Bildung zu nutzen. Aus diesem Grund wurde auch eine gemeinsame Internetpräsenz eingerichtet. Die ADB und ihre Mitglieder finden sich unter http://www.politischebildung.de/adb.

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Am 12. September 2001 erklärte das Herbert-Wehner-Bildungswerk:

Heute ist kein normaler Tag im Herbert-Wehner-Bildungswerk. Ohnmachtsgefühle. Einmal nachschlagen.

(13.09.2001) Herbert Wehner schrieb am 26. September 1977 aus Anlaß der Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer:

"Politik ist das Bemühen um die erreichbare Erfüllung der Bedürfnisse und Notwendigkeiten der Mitbürgerinnen und Mitbürger des Gemeinwesens. In unserer Bundesrepublik stellt das Grundgesetz den Boden und den Rahmen für das Ringen der politischen Kräfte dar. Wenn die Zeit der Analyse der blutigen und schmerzhaften Ereignisse gekommen sein wird, kommt auch die Chance zur kritischen und selbstkritischen Auseinandersetzung über die dabei zur Wirkung gekommenen Faktoren. Dies wird nur dann fruchtbar sein können, wenn in der Zeit der unmittelbaren Gefahr alles aufgeboten worden ist, was ihr entgegengewirkt und sie schließlich gebannt haben wird. Daß sie gebannt werde, muß für alle Seiten unseres demokratischen Gemeinwesens Ehrensache sein. Wer jetzt 'die Messer wetzt' und schon ausprobiert, der schwächt die Kräfte des Gemeinwesens und verhindert unter Umständen, daß der Terrorismus ausgelöscht werden kann."

Es geht mir mit diesem Zitat aus einer anderen Epoche nicht darum, eine Parallele zu ziehen. Vielleicht aber hilft es beim Nachdenken.

Christoph Meyer
Geschäftsführer Herbert-Wehner-Bildungswerk e. V.

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Werkstatt Politische Bildung durchgeführt

Zweite Sommerschule in der Sächsichen Schweiz

(05.09.2001) Vom 29. August bis 3. September 2001 führte das Herbert-Wehner-Bildungswerk in Königstein (Sächsische Schweiz) seine zweite Sommerschule als "Werkstatt Politische Bildung" durch. Angeleitet durch den Trainer Holger Wittlage und ergänzt durch Klaus Reiners aus Berlin erarbeiteten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Reihe von Seminaren der politischen Bildung.

Im Mittelpunkt stand die Planung von Zukunftswerkstätten sowie ein Seminar "Projekte und Kampagnen". Außerdem wurden ein Kommunikationsseminar, eine Veranstaltung "Braucht Demokratie Partei?" sowie ein europapolitisches Seminar erarbeitet. Die "Werkstatt Politische Bildung" bot Gelegenheit und Anlaß zu zahlreichen Diskussionen. Einige TeilnehmerInnen hätten sich weniger Vorträge und statt dessen mehr eigene Erarbeitung von moderierten Sequenzen gewünscht. "Diese Kritik", so Bildungswerkleiter Christoph Meyer, "werden wir bei der Planung unserer nächsten Sommerschule vom 15. bis 20. Juli 2002 berücksichtigen."

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Dresden hat jetzt einen Herbert-Wehner-Platz

Mitten im Stadtzentrum – Feierliche Enthüllung mit vielen Gästen – 95. Geburtstag von Herbert Wehner

Platz benannt: H.-J. Vogel, P. Adler, K. Deubel, G. Wehner (v.l.n.r.)

(30.07.2001) Aus Anlaß des 95. Geburtstags von Herbert Wehner wurde am 12. Juli 2001 in der Nähe des Altmarkts von Dresden (Webergasse) ein Platz nach dem 1906 in der sächischen Landeshauptstadt geborenen Politiker benannt. Zur feierlichen Enthüllung des Straßenschildes kamen zahlreiche Gäste nach Dresden.

Mit dem Wetter hatte das Herbert-Wehner-Bildungswerk Glück. Immer wenn die Teilnehmer der "Herbert-Wehner-Spurensuche" am 11. und 12. Juli 2001 draußen waren, schien die Sonne. So auch bei der Feier zur Platzbenennung. Über 150 Personen waren erschienen, darunter Greta Wehner, die ehemaligen Bundesminister Hans-Jochen Vogel und Jürgen Schmude, Anwalt Wolfgang Vogel, die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Sabine Kaspereit, SPD-Landesvorsitzende Constanze Krehl, der Fraktionsvorsitzende der Landtags-SPD, Thomas Jurk, Bundes- und Landtagsabgeordnete, die Vorsitzenden der CDU- und der SPD-Stadtratsfraktion sowie zahlreiche andere Gäste.

Klaus Deubel, 1. Bürgermeister der Landeshauptstadt und Vorsitzender des Herbert-Wehner-Bildungswerk e.V., eröffnete die Veranstaltung, indem er auf die großen Talente und Verdienste Herbert Wehners hinwies: "Es gibt für mich Formulierungen Herbert Wehners, die mir wichtige Orientierung geben. Ich nenne stellvertretend nur: Es kommt nicht darauf an, den Mensch zu verstaatlichen. Es kommt darauf an, den Staat zu vermenschlichen." Für die Dresdner, so Deubel, sei diese Platzbenennung "ein Ansporn, sich für soziale Demokratie einzusetzen".

Es folgte der Vorsitzende des Europaausschusses im Sächsischen Landtag, der SPD-Abgeordnete und Vorsitzende der Neuen Gesellschaft Sachsen e.V. Peter Adler. Er hob besonders hervor, daß Herbert Wehner im Kalten Krieg immer an der Seite der Menschen gestanden habe: "Die Menschen im Osten hatten in ihm nicht nur einen verläßlichen Anwalt, der oft im Stillen wirkte, sondern auch einen politischen Freund." Die Biographie des ehemaligen Kommunisten mache deutlich: "Fehler in den eigenen Lebensabschnitten kann man nicht ungeschehen machen, aber man kann daraus lernen."

Der ehemalige Partei- und Fraktionsvorsitzende der SPD im Deutschen Bundestag, Hans-Jochen Vogel, dankte der Stadt Dresden und ihrem Oberbürgermeister für die Entscheidung, einen Platz nach Herbert Wehner zu benennen. Wehner habe diese Ehrung wahrlich verdient: "Denn er war eben nicht nur ein großer Sozialdemokrat, er war zugleich ein großer Parlamentarier und ein großer Deutscher." In einem spontanen Redebeitrag fügte Greta Wehner hinzu: "Dieses ist das Allerwichtigste, was wir den jungen Menschen mitgeben können: Daß sie sich nicht darauf verlassen, daß andere das tun, was sie meinen, was getan werden müßte, sondern daß sie selber anpacken, daß sie selber bereit sind, die Mühen des politischen Lebens auf sich zu nehmen und die Dinge zu ordnen, die uns alle angehen."

Am Schluß der Veranstaltung enthüllten Greta Wehner und Klaus Deubel unter allgemeinem Beifall der Versammelten das Straßenschild.

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Spurensuche in Dresden

Bildungswerk begeht Wehner-Geburtstag mit Seminar

(30.07.2001) Mit einer Dresden-Spurensuche hat das Herbert-Wehner-Bildungswerk den 95. Geburtstag seines Namensgebers am 11. und 12. Juli 2001 begangen. Auf dem Programm standen Vorträge, eine Stadtteilführung, ein Videofilm und als Höhepunkt die Benennung eines Platzes im Zentrum der sächsischen Landeshauptstadt. Zu der Veranstaltung kamen zahlreiche Gäste von nah und von fern, von West, Ost und Fernost.

Nach der Eröffnung der Veranstaltung mit einem Vortrag von Franz Müntefering referierte der Essener Historiker PD Dr. August H. Leugers-Scherzberg über die "Bedeutung Herbert Wehners für die deutsche Nachkriegsgeschichte". Sein Fazit: Wehner habe "nicht nur die Geschichte der SPD entscheidend mitgeprägt, sondern auch einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, daß aus der nachtotalitären deutschen Gesellschaft der endvierziger Jahre eine heute ganz Deutschland umfassende demokratische Gesellschaft wurde". Für die Teilnehmer mit Sitzfleisch besonders beeindruckend war die Vorführung eines mehr als anderthalbstündigen Fernsehinterviews aus dem Jahr 1979, in dem Herbert Wehner die Nachkriegsgeschichte und seinen Beitrag dazu aus eigener Sicht Revue passieren ließ. Die Autorinnenlesung mit Anne Dorn rundete den ersten Tag der "Spurensuche" ab.

"Der erste Schritt, den ein jeder tun kann ..." – mit diesem Wehner-Zitat von 1926 ist der Vortrag betitelt, den Dr. Christoph Meyer, Leiter des Herbert-Wehner-Bildungswerks, am Morgen des 12. Juli über die Jugendjahre Herbert Wehners in Dresden hielt. Er war gewissermaßen die Propädeutik für die erste Stadtteilführung auf den Spuren Herbert Wehners in Dresden-Striesen, die von Igeltour-Führer Kurt-Dieter Prskawetz durchgeführt wurde. Vortrag und Führung sollen künftig als Kompaktprogramm gemeinsam von Igeltour und Herbert-Wehner-Bildungswerk angeboten werden. Näheres hierzu gibt es demnächst im Internet.

Das Seminar endete mit der Benennung des Herbert-Wehner-Platzes. Nach dem Treffen des Freundeskreises hatten die Teilnehmer auch noch Gelegenheit, am Grillfest auf dem Hof des Bildungswerks teilzunehmen. Die vielen Schreiben, Anrufe, E-mails und Faxe von Teilnehmern, die nach der Veranstaltung beim Bildungswerk eingegangen sind, zeugen von dem großen Eindruck, den die intensive Begegnung und die intensive Beschäftigung mit Herbert Wehner hinterlassen hat. "Hier haben Menschen zusammengefunden, die sich nicht mehr nach Ost und West unterscheiden", so der Vorsitzende der Neuen Gesellschaft Sachsen, Peter Adler (MdL).

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"Wir sind mittendrin!"

SPD-Generalsekretär Franz Müntefering zu Besuch im Herbert-Wehner-Bildungswerk

(30.07.2001) Das Bildungswerk war überfüllt. Zur Eröffnung der Herbert-Wehner-Spurensuche am 11. Juli 2001 drängten sich die Besucher und die Fernsehkameras in den Räumen der Kamenzer Straße 12. Grund: SPD-Generalsekretär Franz Müntefering kam eigens aus Berlin gereist, um Herbert Wehner an seinem 95. Geburtstag die Ehre zu erweisen. Er tat dies mit einer Rede auf seinen Quasi-Vorgänger als Cheforganisator der Sozialdemokratischen Partei.

Müntefering nannte sieben Charakteristiken für Herbert Wehner: "Der Stratege", "der Patriot", "der Helfer", "der Demokrat", "der Streit und Dialog führende", "der Parteimann und Organisator" und "der Begeisterte - für die Politik und für die sozialdemokratische Idee". Wehner habe, so führte der Generalsekretär aus, die linke Volkspartei SPD in die Mitte der Gesellschaft gerückt, und dies gegen scharfe Widerstände der Konservativen, die eine ungebrochene Tradition der Ausgrenzung der Sozialdemokratie pflegten, vom Sozialistengesetz über die Parole "Freiheit statt Sozialismus" bis zu den Angstkampagnen in Berlin heute.

Mit dem Ausspruch "Wir sind mittendrin" machte Franz Müntefering deutlich, daß er die heutige SPD-Politik in der Tradition Herbert Wehners sieht. Dabei sei "Mitte" eben für die SPD keine soziologische Kategorie, wie viele irrtümlicherweise meinten, sondern "der Platz, den wir einnehmen". Die SPD als linke Volkspartei "ist in der Mitte - und eben nicht am Rande".

Schließlich erinnerte sich Müntefering an seine eigene erste Begegnung mit Herbert Wehner. Damals, 1975, warnte der Fraktionsvorsitzende den tatendurstigen Bundestagsneuling: "Paß auf, daß du nicht austrocknest!" - er habe sich bemüht, diesem Ratschlag zu folgen.

Auf Franz Münteferings Vortrag zur Bedeutung Herbert Wehners für die deutsche Sozialdemokratie folgte eine angeregte Diskussion, die sich auch mit dem Verhältnis der politischen Generationen zueinander befaßte. Müntefering machte deutlich: "Es gibt heute keinen Herbert Wehner in der Partei", eine andere Generation bringe andere Aufgaben und andere Politiker hervor. Von Herbert Wehner, da waren sich die Anwesenden einig, sei gleichwohl viel zu lernen.

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"Spenerstraße 1"

Anne Dorn las im Herbert-Wehner-Bildungswerk

(30.07.2001) An Herbert Wehners Geburtstagsabend wurde es im Bildungswerk literarisch. Die Kölner Schriftstellerin Anne Dorn, Trägerin des Deutschen Journalistenpreises, las ihre Kindheitserinnerungen an Dresden-Striesen vor. Der Clou: Ihr Großvater, Kohlenhändler Heinrich Schlegel, lebte bis zu seinem Tod beim Bombardement von 1945 in der Spenerstraße und war wohl der Vermieter der Familie Wehner, die mehrere Jahre in der Spenerstraße 1b wohnte.

Anne Dorn beschreibt den Geburtsort von Herbert Wehner wie folgt: "Was an diesem Striesen so besonders war, war dank seines Entstehungszeitraums kurz vor und kurz nach der vorvergangenen Jahrhundertwende die Liaison zwischen Fabrikanten und Arbeitern wie Angestellten. Alle waren sie Neulinge in Striesen, Unternehmer und Arbeiter. Sie sollten und wollten bleiben. Und so wuchsen mit den Fabriken und Unterkünften auch Schulen, Bäder, Sportstätten, Kneipen, Vereine, Verbände, und auch Parteien! Die 'Bürgerlichen' suchten in Striesen nach 'Aufstrebenden', die Kommunisten suchten ebendort 'das Proletariat'. Weder die einen noch das andere waren in Striesen 'rein' zu finden." Sicher mit Bezug auch auf die Biographie von Herbert Wehner heißt es an anderer Stelle: "Hält man dem Anblick einer vergangenen Wirklichkeit stand, hat man eine genauere Vorstellung von dem, was wünschbar und möglich ist."

Die etwa 50 Zuhörerinnen und Zuhörer der abendlichen Lesung, darunter auch Greta Wehner, Wolfgang Vogel und Jürgen Schmude, waren beeindruckt von diesem literarischen Anstimmen einer Saite im Leben von – auch – Herbert Wehner.

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"Erinnern und Handeln"

Outdoor-Seminar von Wehnerwerk und Martin-Luther-King-Zentrum

(30.07.2001) Begeistert wurde ein gemeinsames Outdoor-Seminar "Erinnern und handeln" zur Überwindung von Gewalt von zehn Jugendlichen aus Südwestsachsen aufgenommmen, das mit Übernachtung in Zelten im Moritzburger Wald vom 1. bis 6. Juli 2001 stattfand. Das Martin-Luther-King-Zentrum für Gewaltfreiheit und Zivilcourage Werdau hatte das Seminar federführend gestaltet. Eine der Teilnehmerinnen hatte kurz vorher 32 Überstunden geleistet, um mitfahren zu können.

Es erwies sich zunächst als schwierig, in sechs Tagen Gemeinschaft zwischen den jungen Leuten aus unterschiedlichem sozialen Umfeld, nämlich sowohl Abiturienten als auch schwer vermittelbaren arbeitslosen Jugendlichen, zu entwickeln. Aber das Experiment gelang: Alle Beteiligten waren über die Erlebnis- und Abenteuerstrecke für das Thema zu interessieren. In der Käthe-Kollwitz-Gedenkstätte Moritzburg diskutierten sie über proletarisch-pazifistische Kunst und erprobten sich selbst an einer Grafik. Spuren von Zerstörung, Widerstand, Verfolgung und Holocoust ging die Gruppe vom Ökumenischen Informationszentrum Dresden aus nach. In einer Drogenklinik beschäftigten sich die Jugendlichen mit Gewalt durch Drogen, mit Euthanasie und dem Umgang mit Behinderten. Die Teilnehmer machten sich in der Karl-May-Stadt Radebeul am Beispiel der Indianer mit Menschen vertraut, die auf Grund ihrer Rasse und Kultur "anders" sind.

Die verschiedenen Stationen wurden mit Referaten und Gesprächsrunden im Camp intensiv nachgearbeitet. Die jungen Leute hatten das Gelände selbst vorbereitet, kochten am Feuer, gingen im Steingrundteich schwimmen und gestalteten die weitere Freizeit mit Volleyball und Musik.

Georg Meusel

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Netzwerk

(30.07.2001) Die der sozialen Demokratie nahestehenden Bildungsträger Deutschlands, darunter auch das Herbert-Wehner-Bildungswerk, haben sich zu einem "Netzwerk politische Bildung" zusammengeschlossen. Das Netzwerk und alle Beteiligten finden sich im Internet unter http://www.netzwerk-politische-bildung.de.

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Schmude Nachfolger von Vogel

Einstimmig zum Sprecher des Freundeskreises Herbert-Wehner-Bildungswerk gewählt

(13.07.2001) Dr. Jürgen Schmude (65) wurde am 12. Juli 2001 in Dresden einstimmig zum neuen Sprecher des Freundeskreises Herbert-Wehner-Bildungswerk gewählt. Er folgt in diesem Amt auf den ehemaligen SPD-Partei- und Fraktionsvorsitzenden Dr. Hans-Jochen Vogel, der nach über vier Jahren das Amt aus Altersgründen abgab. Der Freundeskreis Herbert-Wehner-Bildungswerk hat es sich zur Aufgabe gemacht, Gelder für eine Heimstatt der politischen Bildung in Sachsen zu sammeln.

Hans-Jochen Vogel ist Gründungssprecher des Freundeskreises des sächsischen Bildungswerks. "Man soll ein Amt abgeben, solange der Rücktritt noch bedauert wird", meinte der 75jährige unter dem allgemeinen Beifall der Versammelten. Über 70 der inzwischen mehr als 350 Freundeskreismitglieder aus Sachsen und ganz Deutschland waren in die Jüdische Gemeinde in der Bautzner Straße gekommen. Darunter natürlich Greta Wehner, die SPD-Landtagsabgeordneten Peter Adler, Karl-Heinz Kunckel und Karl Nolle, angeführt von ihrem Fraktionsvorsitzenden Thomas Jurk sowie Renate Jäger, SPD-Bundestagsabgeordnete. Zahlreiche Freunde und Weggefährten der Wehners kamen nach Dresden, so auch Rechtsanwalt Wolfgang Vogel, langjähriger Verhandlungspartner von Herbert Wehner beim Häftlingsfreikauf. Den weitesten Weg hatten Dr. Yen-huei Chen und seine Frau: Sie kamen extra aus Taiwan geflogen.

Jürgen Schmude wies darauf hin, daß er schon zum zweiten Mal die Nachfolge von Hans-Jochen Vogel antritt: "Als er 1981 Regierender Bürgermeister von Berlin wurde, hat er es genauso gemacht", erinnerte er sich schmunzelnd. Damals war Schmude schon einmal auf Vogel gefolgt - als letzter Bundesjustizminister der sozialliberalen Koalition. Zuvor war der Jurist von 1978 bis 1981 Bundesminister für Bildung und Wissenschaft gewesen. SPD-Mitglied seit 1957, ist Jürgen Schmude seit 1985 Präses der Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands - und damit gewissermaßen der evangelische Kollege des sächsischen Wissenschaftsministers Meyer (CDU) vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken.

Nach dem Treffen feierten die Wehner-Freunde gemeinsam auf dem Hof des Bildungswerks in der Kamenzer Straße 12 (Dresden-Neustadt) ein Grillfest. "Unser Geburtstagsgrillfest für Herbert Wehner haben wir zum ersten Mal 1999 gefeiert. Beim dritten Mal können wir schon von einer Tradition sprechen", meinte Geschäftsführer Christoph Meyer. "Eine schöne Tradition", fügte einer der Gäste hinzu.

Freundeskreistreffen und Grillfest bildeten den Abschluß einer zweitägigen Spurensuche zum 95. Geburtstag von Herbert Wehner. Höhepunkte waren der Besuch des SPD-Generalsekretärs Franz Müntefering beim Bildungswerk am Mittwoch, den 11. Juli 2001 sowie die feierliche Benennung eines Platzes in der Innenstadt nach dem 1906 in Dresden geborenen sozialdemokratischen Politiker. Bürgermeister Klaus Deubel (SPD) führte dazu unter anderem aus: "Daß dieser Platz hier im Herzen Dresdens nach Herbert Wehner benannt wird, ist Ausdruck des großen Respektes, den wir vor den Leistungen des Staatsmannes, des Strategen, des immer hilfsbereiten Menschen Herbert Wehner haben."

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Plakat und Spurensuche

Zum 95. Geburtstag von Herbert Wehner

"National sein können in Deutschland nur diejenigen, die ein Deutschland schaffen helfen wollen, das die Wiederholung der Schrecken der Vergangenheit ausschließt." Dieser Satz Herbert Wehners von 1967 zum Thema NPD hat nichts an Aktualität eingebüßt. Zusammen mit einem schönen Wehner-Bild gibt der Freundeskreis Herbert-Wehner-Bildungswerk ein DIN-A-1-Plakat mit dem Zitat heraus. Anlaß ist der 95. Geburtstag von Herbert Wehner am 11. Juli 2001. Für DM 5,- pro Stück zzgl. DM 8,- Versandkosten kann das Plakat beim Herbert-Wehner-Bildungswerk gegen Rechnung bestellt werden. Einfach E-mail an info@wehnerwerk.de (Anschrift nicht vergessen!) oder telefonisch unter 0351-8040220. Außerdem lädt das Bildungswerk für den 11./12. Juli 2001 zur Spurensuche ein. Weitere Infos hier.

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Herbert Wehner wird 95

Bildungswerk veranstaltet "Spurensuche" in Dresden - Vorträge - Autorinnenlesung - Stadtteilführung - Platzbenennung

Für den 11. und 12. Juli 2001 lädt das Dresdner Herbert-Wehner-Bildungswerk zur Spurensuche ein. Anlaß ist der 95. Geburtstag des 1990 verstorbenen sozialdemokratischen Politikers Herbert Wehner. Auf dem Programm stehen Vorträge, eine Autorinnenlesung sowie eine Stadtteilführung durch Dresden-Striesen, wo Wehner 1906 geboren wurde. Höhepunkt der zweitägigen Veranstaltung ist die Benennung eines Platzes in der Dresdner Innenstadt nach Herbert Wehner. An der "Spurensuche" teilnehmen können alle Interessierten. Informationen gibt es beim Bildungswerk unter (0351) 80 40 220 sowie per E-mail info@wehnerwerk.de.

Die Formen der Veranstaltung sind vielfältig. Videos zu Leben und Werk werden gezeigt. Privatdozent Dr. August H. Leugers-Scherzberg von der Universität Essen spricht über "Die Bedeutung Herbert Wehners für die deutsche Nachkriegsgeschichte". Dr. Christoph Meyer vom Herbert-Wehner-Bildungswerk hält einen Bildvortrag über die Jugend Wehners in Dresden.

Am 11. Juli ab 20 Uhr liest die bekannte Kölner Schriftstellerin Anne Dorn im Herbert-Wehner-Bildungswerk in der Kamenzer Straße 12 in der Dresdner Neustadt. "Dresden Striesen - Spenerstraße: Ein guter Ort, den Flügelschlag zu üben" ist der Titel ihrer essayistischen Kindheitserinnerungen. Denn ihr Großvater hat in der Spenerstraße gewohnt. Und - das hat sich neulich zufällig herausgestellt: Damit ist Anne Dorn die Enkelin des Vermieters der Familie Wehner.

Vor Ort, nach Dresden-Striesen, geht es am zweiten Veranstaltungstag. Kurt-Dieter Prskawetz zeigt den Teilnehmern die Schauplätze von Herbert Wehners Kindheit und Jugend. Am Nachmittag um 14.00 Uhr wird dann der Oberbürgermeister der Stadt Dresden einen Platz in der Innenstadt nach Wehner benennen. Neben städtischer und sächsischer Politprominenz werden zu der kleinen öffentlichen Feierstunde im Freien auch Witwe Greta Wehner sowie die beiden ehemaligen SPD-Bundesminister Dr. Hans-Jochen Vogel und Dr. Jürgen Schmude erwartet.

Abgeschlossen wird die Veranstaltung am Abend mit einem Grillfest für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der "Spurensuche" sowie die Mitglieder des Freundeskreises Herbert-Wehner-Bildungswerk. "Unsere Spurensuche bietet vielfältige und persönliche Eindrücke von der Stadt Dresden, von ihrer Geschichte und ihrer Politik", sagt Dr. Christoph Meyer, der Geschäftsführer des Herbert-Wehner-Bildungswerks. Und er fügt hinzu: "Im Mittelpunkt steht natürlich Herbert Wehner, der bedeutendste Politiker, den die Stadt Dresden im 20. Jahrhundert hervorgebracht hat."

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"Einfach wunderbar!"

Berlinfahrt beeindruckte die Teilnehmer

Die gemeinsame Berlinfahrt von Herbert-Wehner-Bildungswerk und Igeltour Dresden vom 11. bis 13. Mai 2001 war ein voller Erfolg. Besonders begeistert zeigten sich die 40 Teilnehmer aus Dresden und Umgebung von den umfangreichen Kenntnissen des Reiseleiters Dieter Fitterling aus Berlin. "Eine so engagierte Führung hatte ich nicht erwartet", meinte eine Teilnehmerin, und ein anderer fügte hinzu: "Der Herr Fitterling weiß ja zu jedem Gebäude etwas zu sagen. Einfach wunderbar!"

Die Fahrt unter dem Motto "Berlin - Vom Mauerblümchen zur Hauptstadt von Weltrang?" begann am Freitag abend mit einer gemeinsamen Begehung der Reichstagskuppel. Am Samstag standen der Besuch des Rathauses Schöneberg und der dort gezeigten Willy-Brandt-Ausstellung sowie ein Rundgang durch die Neubauten am Potsdamer Platz auf dem Programm. Höhepunkt war eine Spree-Kanalfahrt. Am Sonntag ging es zum Abschluß durch die historische Mitte Berlins, das Nikolai-Viertel und das Marx-Engels-Forum. Besonderes Interesse fand die Rundfahrt durch Berlin-Kreuzberg.

Die Dresdner hatten sich zu Beginn der Fahrt vor allem für die westlichen Viertel und die seit 1990 in Berlin eingetretenen Veränderungen interessiert. Diese Erwartungen wurden voll erfüllt. "Beeindruckend! Jetzt haben wir einen ganz anderen Eindruck von Berlin", meinte ein Ehepaar. Und eine andere Teilnehmerin fügte hinzu: "Ich werde meinen Freundinnen davon erzählen und hätte richtig Lust, im September nochmal mit zu fahren."

Zwei Berlinfahrten sind im September noch auf dem Programm: Vom 7. bis 9. und vom 28. bis 30. September. Es sind nur noch wenige Plätze frei. Wer Interesse daran hat, sollte sich möglichst schnell beim Herbert-Wehner-Bildungswerk unter 0351-8040220 (info@wehnerwerk.de) melden.

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Dresden bekommt einen Herbert-Wehner-Platz

Bildungswerk begrüßt klares Votum des Stadtrates vom 01.03.2001

Gestern abend hat der Rat der sächsischen Landeshauptstadt Dresden mit 65 zu 2 Stimmen die Benennung eines Platzes nach Herbert Wehner beschlossen. Das in Dresden ansässige Herbert-Wehner-Bildungswerk begrüßte die Entscheidung: "Herbert Wehner hat einen Platz im Herzen seiner Heimatstadt verdient", so Geschäftsführer Christoph Meyer.

Das Bildungswerk bemüht sich stetig um die Pflege des Andenkens an seinen Namensgeber. In seinen Räumen in der Dresdner Neustadt beherbergt es eine kleine Ausstellung über Wehner. Fachvorträge und Kurse über den 1990 in Bad Godesberg verstorbenen SPD-Politiker werden gehalten. Seit 1998 steht ein kleines Denkmal in der Spenerstraße in Dresden-Striesen, wo Herbert Wehner am 11. Juli 1906 geboren wurde. "In diesem Jahr wäre Herbert Wehner 95 Jahre geworden. Wir werden diesen Geburtstag gebührend würdigen", kündigt Meyer an.

Der Herbert-Wehner-Platz wird zentral in der Innenstadt, im Neubaugebiet Webergasse/Zahnsgasse in unmittelbarer Nähe des Altmarkts, entstehen. Darüber dürfte sich auch Herbert Wehners Witwe Greta freuen, die seit 1996 in Dresden lebt. Zusammen mit dem Ersten Bürgermeister von Dresden, Klaus Deubel, war sie im November in Dresdens Partnerstadt Hamburg, wo Wehner von 1949 bis 1983 seinen Bundestagswahlkreis hatte. Dort wurde ebenfalls ein Platz nach dem Politiker benannt. Greta Wehner dazu: "Die heranwachsenden Nachgeborenen brauchen Vorbilder, nicht zum Nachahmen, aber um sich an ihnen zu messen. Herbert Wehners Wirken für den sozialen und demokratischen Rechtsstaat kann ein solches Vorbild sein."

Das Herbert-Wehner-Bildungswerk führt am 11. und 12. Juli 2001 ein Seminar aus Anlaß des 95. Geburtstags seines Namensgebers durch.

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Eli Amir stellt sein neues Buch vor

Israelischer Autor liest im Herbert-Wehner-Bildungswerk

von Magarete Füßer

Einer der bekanntesten israelischen Schriftsteller kommt nach Dresden. Eli Amir stellt am Sonntag, den 25. März 2001 um 17.30 Uhr im Herbert-Wehner-Bildungswerk, Kamenzer Straße 12 (DD-Neustadt), seinen neuen Roman „Shauls Liebe“ vor. Eli Amir wird eine kurze Passage des Romans auf Hebräisch lesen. Auf Deutsch liest Margarete Füßer, die Lektorin der deutschen Übersetzung. Der Autor steht zum Gespräch zur Verfügung und wird Fragen auf Englisch beantworten. Alle Beiträge werden ins Deutsche übersetzt. Das Herbert-Wehner-Bildungswerk und die Buchhandlung LeseZeichen (Prießnitzstr. 56, 01099 Dresden) laden gemeinsam ein. Die Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt ist frei.

Amir wurde 1937 in Bagdad geboren und emigrierte 1950 nach Israel. Nach dem Studium in Jerusalem war er persönlicher Referent von Shimon Perez, Berater in Bildungsfragen und bei den Friedensverhandlungen unter Golda Meir und Jizchak Rabin dabei. Er leitet die Abteilung zur Eingliederung von Jugendlichen in der Jewish Agency und ist Dozent an der Ben-Gurion-Universität in Beer Sheva.

Neben zahlreichen journalistischen Beiträgen veröffentlichte Amir mehrere Romane. In Deutschland kennt man ihn spätestens seit dem großen Erfolg seines Romans Der Taubenzüchter von Bagdad. Amir wurde mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichnet, darunter mit dem Am Oved Jubilee Prize.

Zu Eli Amirs neuem Roman Shauls Liebe:

Eli Amir: Shauls Liebe. Roman. Aus dem Hebräischen von Stefan Siebers. Gustav Lübbe Verlag. 448 S. DM 39,80. ISBN 3-7857-1517-X

Der Roman hebt an: „Zwei Jahre nach dem Unabhängigkeitskrieg, ich war damals zehn Jahre alt, nahm Papa mich mit zu Ben Sinors Villa in der Rachel-Imanu-Straße in Jerusalem.“ Der Besuch in diesem alten, kultivierten Haus hinterläßt bleibenden Eindruck bei Shaul, dem Ich-Erzähler. Am Ende der Geschichte erwirbt er es für sich selbst und erfüllt sich damit einen langgehegten Lebenstraum. Da ist es bereits das Jahr 1992, und soeben hat der konservative Likud die Wahlen verloren. Die Arbeiterpartei mit Jizchak Rabin übernimmt die Regierung, und der große Traum vom Frieden scheint seiner Verwirklichung endlich nahe.

Seit Shauls erstem Besuch in der Villa Ben Sinor sind zu diesem Zeitpunkt vierzig Jahre vergangen. Viele Träume werden in dieser Zeit enttäuscht, doch wird auch Ungeahntes Wirklichkeit. Gemeinsam mit dem Ich-Erzähler hat der Leser diese Lebensjahre durchquert und hat viele der Menschen kennengelernt, die in Shauls Leben von Bedeutung sind, Eltern und Lehrer, die Gefährten seiner Militäreinheit, die Familien der Freunde. Und vor allem sind da seine geliebte Chaja, und Avschi, Shauls enger Freund seit den Tagen des Armeeinternates, der im Yom-Kippur-Krieg 1973 fällt.

Im Verlauf des Romans entfaltet sich so ein ganzes Panorama israelischen Lebens. Mit tiefem Verständnis zeichnet Amir Charaktere, die sich auf dem Hintergrund der verschiedensten familiären, religiösen und kulturellen Herkunft im neuen jüdischen Staat Israel zusammenfanden. Es gelingt dem Autor, die klassischen Milieus der israelischen Einwanderergesellschaft zu beschreiben, zwischen denen große Spannungen bestehen und auf denen jenseits von Sachfragen auch die politische Parteizugehörigkeit vieler Israelis beruht.

Shaul selbst, der Ich-Erzähler, gehört als Nachkomme einer sefardischen, also spanisch-orientalischen Familie, die seit sieben Generationen in Jerusalem lebt, zur alteingesessenen Bevölkerung des Landes. Doch selbst diese tiefe Verwurzelung schützt ihn nicht vor der Erfahrung der vielfältigen Brüche, die das israelische Leben durchziehen. Während die Familie durch die Verwurzelung im Land den arabischen Einheimischen nahe ist, ist Shauls Vater zugleich ein Veteran der Irgun, der Untergrundorganisation von Menachem Begin, die in den vierziger Jahren Terrorakte gegen die arabische Bevölkerung verübte. Innerhalb der neuentstehenden jüdischen Gesellschaft wiederum wird Shauls Vorrecht als Alteingesessener überlagert von der Elitestellung der osteuropäischen Pionier- und Einwandergeneration, deren zionistischer Gründergeist der jungen Gesellschaft ihren Stempel aufdrückt. Auch Shauls leidenschaftliche Liebe zu Chaja, die aus Polen stammt und als Kind gemeinsam mit ihren Eltern die Schrecken des Holocaust durchleben mußte, ist von Brüchen und Gegensätzen gezeichnet. Chaja gelingt es nicht, sich aus der von Todesangst geprägten symbiotischen Beziehung zu ihren Eltern zu lösen. Es gelingt dem Paar nicht, die Beziehung zu zu verwirklichen. Die Kulturunterschiede zwischen den Familien der beiden Liebenden erweisen sich als unüberbrückbar.

Shaul macht im Verlauf der Sechziger Jahre Karriere als Computer--Spezialist der ersten Stunde und wird in den USA ein erfolgreicher Unternehmer. Doch die Verbindung zu Familie und Freunden bleibt unverändert eng und seine Anteilnahme am gesellschaftlichen Leben drückt sich nicht nur in der Teilnahme an den Kriegen von 1967 und 1973 aus, sondern auch in seiner finanziellen Unterstützung der Partei von Menachem Begin. Politisch im anderen Lager, teilt er doch die Hoffnungen, die aus dem Regierungsantritt von Jizchak Rabin erwachsen, und so ist es kein Zufall, daß der Kauf der Villa Ben Sinor ihn zu Beginn der Neunziger Jahre aufs neue in Israel verankert.

Shauls Erzählung ist die Geschichte eines Emanzipationsprozesses, den die einzelnen Protagonisten, aber auch die israelische Gesellschaft als Ganzes durchläuft. Der leidenschaftliche Zionismus der frühen Jahre wird durch die Wirklichkeit auf eine harte Probe gestellt. Als Vision ist er wesentlicher Integrationsfaktor für die junge Gesellschaft. Aber die Kriege von 1967 und 1973 machen die Israelis zu Besatzern fremden Landes, und viele von Shauls Gefährten erkennen mit Bitterkeit, daß der Traum vom eigenen jüdischen Land darauf gebaut war, daß die Existenz eines anderen Volkes auf dem selben Boden verdrängt wurde. Untrennbar mit diesen Spannungsfeldern verwoben, ringen der Erzähler und die Menschen, die sein Leben begleiten, um die Gestaltung ihres persönlichen Lebens.

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Wehners Volvo

von Christoph Meyer

Der Karren will nicht mehr. Der große, blaßgelbe Wagen ist frisch überholt, gerade vor einer Woche durch den TÜV gekommen, anstandslos. Aber Herbert Wehners alter Volvo will nicht mehr. Bereits kurz nach der Abfahrt vom Flughafen ist der Motor ausgegangen. Nun, das ist im Gefälle gewesen. Zweiter Gang, Kupplung raus, behutsam wieder rein und Gas geben, da geht er wieder. Einen Kilometer weiter ist es dann endgültig aus. Königsbrücker Straße, die Ampel kurz vor der Schauburg schaltet auf Rot, der Volvo bleibt stehen, und nichts geht mehr. Den Schlüssel rumdrehen, mal viel, mal wenig Gas, mal mit, mal ohne Choke - er springt nicht wieder an.

Es ist der 31. Oktober 1999. Heute wird Greta Wehner 75, mein Beifahrer und ich sind zum Geburtstagsessen unterwegs und knapp mit der Zeit. Die Ampel zeigt Grün, der Wagen bleibt stehen. Am hellichten Sonntag, an einer belebten Kreuzung, mitten in Dresden. Meine Handflächen beginnen zu schwitzen, und in der Magengegend stellt sich ein beklemmendes Gefühl ein. "Das hat wohl keinen Sinn so", stellt mein Beifahrer kategorisch fest. Es handelt sich nicht um irgendeinen Beifahrer. Es handelt sich um Hans-Jochen Vogel, den ehemaligen Bundesminister, Parteivorsitzenden und Nachfolger von Herbert Wehner als Vorsitzender der sozialdemokratischen Bundestagsfraktion.

Ich habe mich so gefreut, bin eigentlich stolz, ihn mit dem historischen Fahrzeug durch Dresden fahren zu können. Und ein Fernsehteam, das in der Innenstadt auf uns wartet, hat sich auch gefreut. Damit ist jetzt Essig. "Bleib du am Steuer sitzen", bestimmt der über Siebzigjährige, steigt aus, klemmt sich ans Heck und schiebt das schwere schwedische Gefährt schwungvoll über den hohen Bordstein auf den Bürgersteig. Es ist lange her, daß mir etwas so peinlich war. Immerhin: Mir wird keine Schuld gegeben, und das eilig herbeigerufene Taxi kommt auch bald und bringt uns wohlbehalten ans Altstadtufer.

Das Abschleppen und die Reparatur haben über 500 Mark gekostet, und es dauert ein paar Wochen, bis sich meine Abneigung gegen den Oldtimer gelegt hat. Mittlerweile läuft der Zweitdienstwagen des Herbert-Wehner-Bildungswerks wieder, tadellos und störungsfrei, auch in Hamburg und Chemnitz war ich schon damit, und der Volvo hat auf den Kopfsteinpflasterstraßen von Dresden unbestreitbare Vorteile: traumhafte Stoßdämpfer!

Einige Wochen nach Gretas Geburtstag war der zehnte Todestag von Herbert Wehner. Eine Briefmarke ist herausgekommen, und es war wieder eine Feierstunde. Ich habe mich dagegen entschieden, abergläubisch zu sein - und Hans-Jochen Vogel wieder mit dem Volvo vom Flughafen abgeholt. Diesmal wollte der Karren, und das Fernsehteam ist auch auf seine Kosten gekommen.

Lange zuvor war derselbe Volvo 240 GL schon einmal in Dresden gewesen. Das war 1986. Herbert Wehner war 80 Jahre alt, einige Jahre zuvor aus der aktiven Politik ausgeschieden und bereits von einer schweren Demenzerkrankung mit Gedächtnisstörung und Bewußtseinstrübung gezeichnet. Im Jahr davor hatte Rechtsanwalt Wolfgang Vogel, Wehners langjähriger Verhandlungspartner beim Häftlingsfreikauf und bei der Familienzusammenführung, die Wehners in die DDR und nach Dresden geholt. Zum ersten Mal nach über 50 Jahren konnte Herbert Wehner seine geliebte Heimatstadt wiedersehen.

Witwe Greta erinnert sich, daß Herbert bei dem Besuch in lichten Momenten lebhaft bemerkte, wo er war, ob am "Filzteich" in Schneeberg im Erzgebirge, wo er als kleiner Junge einige Jahre gelebt hatte, oder in der Spenerstraße in Dresden-Striesen, wo er geboren wurde und wo der Sohn eines Schuhmachers und einer Schneiderin die meisten Jahre seiner Jugend verbracht hatte. Als sie dort am Sportplatz der 20. Grundschule vorbeikamen, blitzte die Erinnerung auf: "Hier habe ich Fußball gespielt", sagte Herbert Wehner unvermittelt. An dieser Stelle steht seit 1998 ein kleines Denkmal der Stadt, das an den wohl bedeutendsten Politiker erinnert, den Dresden im 20. Jahrhundert hervorgebracht hat.

Nach der Machtergreifung durch die Nazis hatte Herbert Wehner seine sächsische Heimat verlassen müssen. 1935 konnte er noch einmal heimlich seine Eltern besuchen. Er hat sie nie wieder gesehen. Sein Vater starb 1937, und die Mutter erlag den Verletzungen, die sie 1945 beim Bombenangriff erlitt. Wehner ging in den Untergrund, in die Emigration, nach Moskau. Hier wurde er in die stalinistischen "Säuberungen" verwickelt, ein Untersuchungsverfahren wurde gegen ihn eingeleitet; er hatte Mühe, sich zu retten. 1941 konnte er nach Schweden ausreisen, mit dem Auftrag, den kommunistischen Widerstand in Deutschland wieder aufzubauen. Ein Jahr später verhaftete ihn die Polizei, und er wurde zu mehreren Jahren Straflager verurteilt. Seine Gegner im Parteiapparat, darunter Walter Ulbricht, nutzten diese Wehrlosigkeit, um Wehner unter dem Vorwand des Verrats aus der KPD auszuschließen. Schon in den 30er Jahren hatte er begonnen, die Politik der kommunistischen Parteien kritisch zu betrachten. Nun dachte er weiter. Das schwedische Modell der freiheitlichen Demokratie und des Sozialstaats überzeugte ihn. Ihre Liebe zu Schweden haben Wehners sich zeitlebens bewahrt. Auch darum der Volvo.

Der Weg zurück nach Dresden war Herbert Wehner auch nach dem zweiten Weltkrieg versperrt. Er schloß sich dem demokratischen Zweig der Arbeiterbewegung an. Seine ehemaligen Genossen antworteten mit Entführungsversuchen und Brandanschlägen. Sie mißlangen. Die Zerstörung und Diskreditierung eines Großteils des Erbes der Arbeiterbewegung in Dresden, Sachsen, im gesamten Gebiet der DDR, dauerte fast sechzig Jahre, und sie hat sich bis heute als nachhaltig erwiesen.

Für die Menschen in seiner Heimat tat Wehner vom Westen aus, was er konnte. Ob als langjähriger Vorsitzender des Bundestagsausschusses für gesamtdeutsche Fragen, dann als Bundesminister oder als Fraktionsvorsitzender - immer war er bemüht, zu helfen, Erleichterungen zu schaffen, ja er kümmerte sich persönlich um Tausende von Einzelschicksalen. Als ich 1998 von Köln nach Dresden umgezogen bin, haben mir viele Leute erzählt, wie sie zu DDR-Zeiten an den Radios gehockt und gebannt und gespannt auf Signale der Hoffnung gelauscht haben, wenn Wehner im Deutschlandfunk sprach.

Im Sommer 1996, als sie auch schon recht betagt war, ist Greta Wehner von Bonn nach Dresden gezogen. "Wenn Herbert 1990 gesund gewesen wäre, ich bin sicher, dann wäre er in seine sächsische Heimat zurückgekehrt und hätte dort geholfen, das Land und die Demokratie aufzubauen", meint Greta. Sie hilft jetzt mit, diese Ziele zu verwirklichen, so weit ihre Gesundheit es zuläßt. Im Herbert-Wehner-Bildungswerk und darüber hinaus ist sie eine unentbehrliche, unermüdliche und allseits geschätzte, ja geliebte Ratgeberin.

Wenige Monate vor Herbert Wehners Tod fiel die Berliner Mauer. Er hat dieses Ereignis nicht mehr bewußt miterleben können. Daß der Volvo jetzt durch die Straßen seiner Heimatstadt fährt, daß Greta hier lebt, daß das Bildungswerk in der Kamenzer Straße seinen Namen trägt, ist kein Ersatz dafür. Aber es sichert Herbert Wehner einen Platz im Herzen der Stadt Dresden.

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