Nachrichten aus dem Jahr 1999

Nachrichten aus den Jahren 1999, 2000, 2001, 2002, 2003, 2004 und 2005.


Wehner-Volvo im Einsatz

Ehemaliger Privat-PKW von Greta und Herbert Wehner fährt jetzt für das Bildungswerk

Am 23. Juli 1999 wurde der letzte Privat-PKW von Herbert Wehner, ein Volvo 240 GL, Baujahr 1983, durch den SPD-Parteivorstand in Leipzig dem Herbert-Wehner-Bildungswerk übergeben. Der Wagen hat eine historische Bedeutung für Sachsen, weil Herbert Wehner im Jahre 1985 mit diesem Fahrzeug nach 50 Jahren endlich wieder seine Heimatstadt Dresden besucht hat. "Der Wagen ist noch gut in Schuß", meint Geschäftsführer Christoph Meyer. "Und mit unserem Zweit-Dienstwagen erzielen wir sicherlich auch in der öffentlichkeit Aufsehen. Wir hoffen nur, daß er künftig nicht so reparaturanfällig ist." Die Anmeldung und Prüfung beim TüV hat der Wagen im Oktober 1999 jedenfalls gut überstanden.

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Bild und Spende übergeben

Sozialdemokraten und Freunde Herbert Wehners spendeten für den Bau der Synagoge

"Das ist ein sehr schönes Bild", freute sich am 1. Juni 1999 Roman König. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Dresden nahm im Herbert-Wehner-Bildungswerk das Bild "Jiskor" des in Bonn lebenden jüdischen Künstlers Arie Ogen entgegen. Überbringerin des Feder-Tusche-Tryptichons war Greta Wehner. "Arie Ogen hat dieses Bild spontan gespendet, als ich ihm erzählt habe, daß in Dresden eine neue Synagoge gebaut wird", so die Witwe von Herbert Wehner. König versprach: "Dieses Bild wird einen würdigen Platz bei uns erhalten."

Zu dem Treffen erschien neben anderen auch der SPD-Landesvorsitzende Dr. Karl-Heinz Kunckel. Kunckel, der zugleich stellvertretender Sprecher des Freundeskreises Herbert-Wehner-Bildungswerk ist, übergab bei dieser Gelegenheit eine Spende von DM 5.500,- für den Aufbau der Synagoge. Einige Sozialdemokraten und Freunde des Herbert-Wehner-Bildungswerks hatten den Betrag zusammengelegt. Der Vorsitzende des Fördervereins "Bau der Synagoge Dresden", Pfarrer i.R. Siegfried Reimann, nahm die Spende entgegen. "Das Geld können wir jetzt gut gebrauchen", meinte Reimann und wies darauf hin, daß gerade an diesem Tag endlich mit den Bauarbeiten für die Synagoge begonnen wurde.

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Umzug ein voller Erfolg

Positive Bilanz nach einem halben Jahr Bildungswerk im Ladenlokal

"Wir freuen uns, daß wir hier in der Dresdner Neustadt angekommen sind", meinte Christoph Meyer, der Leiter des Herbert-Wehner-Bildungswerks am 11. Juli 1999 auf dem Grillfest des Bildungswerks. "Mit dem Umzug ist eine Öffnung und damit wirkliche qualitative Verbesserung unserer Arbeit einhergegangen", fügte Meyer hinzu.

Über 30 Freundinnen und Freunde des Bildungswerks aus der näheren Umgebung Dresdens, darunter natürlich Greta Wehner, feierten im Garten des Ladenlokals den 93. Geburtstag von Herbert Wehner (1906-1990). Bereits am Vormittag desselben Tages war an der Stelle des Geburtshauses in der Spenerstraße 13 durch Vertreter von Stadt und Politik eine Tafel zu Ehren von Herbert Wehner enthüllt worden.

Das Ladenlokal in der Dresdner Neustadt kann als Tagungsstätte für bis zu 50 Personen genutzt werden und beherbergt eine kleine Ausstellung zum Thema Herbert Wehner. "Es kommen viele Leute vorbei und gucken", meint Sachbearbeiterin Hannelore Rollow. "Wir hatten schon dreimal größere Besuchergruppen da, zum Beispiel die Naturfreunde aus Wuppertal und den Ortsverein Dortmund-Wickede mit 45 Personen", freut sich Meyer. Im Bildungswerk haben bereits einige Seminare und Versammlungen stattgefunden. "Dresden lohnt immer eine Reise", so ist man im Bildungswerk überzeugt: "Besuchergruppen sind uns immer herzlich willkommen."

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Berichte aus der Bildungsarbeit

Reden wie Wehner geht weiter. Reihe von Rhetorikseminaren fand guten Anklang

Der „Klassiker“ der Bildungsarbeit des Herbert-Wehner-Bildungswerks – das sind die Rhetorikseminare. Ihrer vier fanden im ersten Halbjahr 2000 statt, davon ein Fortsetzungsseminar „Rhetorik II“. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren jeweils angetan vom persönlichen Nutzen, den diese Seminare für sie gebracht haben und hofften auf weitere ähnliche Angebote.

Ein Presse- und Öffentlichkeitsarbeitsseminar mußte dagegen aus organisatorischen Gründen abgesagt werden. Es soll aber im Herbst nachgeholt werden.

Diskussion über Hitler-Attentäter. Herbert-Wehner-Bildungswerk und AnStiftung luden an die Uni

Am Donnerstag, den 23. März 2000 fand an der TU Dresden eine „inszenierte Buchvorstellung“ von und mit Hellmut G. Haasis vor etwa 60 Zuhörerinnen und Zuhörern statt. Veranstalter waren die AnStiftung und das Herbert-Wehner-Bildungswerk.

Der Publizist, Verleger und Rundfunkautor Haasis ist Autor des Buches „Den Hitler jag' ich in die Luft“, einer Biographie des Hitler-Attentäters Georg Elser. Dessen mißglückter Anschlag im Münchner Bürgerbräukeller vom 8. November 1939 hat sechzig Jahre nach der Tat in Sachsen für Furore gesorgt: Ein Chemnitzer Privatdozent fällte ein „moralisches Urteil über die Tat Elsers“. Lothar Fritze, der auch am Dresdner Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung arbeitet, bezeichnete den Anschlag als eine Tat, „deren Ausführungsweise moralisch nicht zu rechtfertigen ist“, und verdächtigte den Täter, „seine politische Beurteilungskompetenz überschritten“ zu haben. Die Folge der Veröffentlichung: Lange Querelen um Personalien und Richtlinienkompetenzen am Hannah-Arendt-Institut. Und eine hitzige, auch bundesweit publizistisch geführte Debatte über den Zusammenhang zu Bestrebungen, „die deutsche Zeitgeschichte zu revidieren“ (Gedenkstätte deutscher Widerstand in Berlin). Die Frankfurter Allgemeine Zeitung titelte gar vom „Historikerstreit“ des Hannah-Arendt-Instituts.

„Wir wollten mit unserer Veranstaltung auf den Kern der Sache zurück kommen, nämlich Georg Elser selbst“, meint Christoph Meyer, Leiter des Dresdner Herbert-Wehner-Bildungswerks. Und Peter Grohmann von der AnStiftung fügt hinzu: „Der eigentliche Skandal liegt in der Verunglimpfung eines jahrelang unverdient übersehenen Widerstandskämpfers, des Attentäters aus dem Volke Georg Elser.“

Der 1942 geborene Hellmut G. Haasis entwickelt in seinem 1999 im Rowohlt-Verlag erschienenen Buch die Persönlichkeit und Geschichte Elsers ausgehend von seinem Anschlag auf Hitler 1938. In einer spannenden und lesenswerten, gleichwohl seriösen Biographie beschreibt Haasis den Attentäter als einen Mann aus dem Volk, der sein Leben lang auf sein eigenes Urteil setzte und keiner staatlichen Massenpropaganda traute. Sein Ziel: „die Verhältnisse der Arbeiter zu bessern“ und „einen Krieg zu vermeiden“. Elser wurde am 9. April 1945 von den Nazis im Konzentrationslager Dachau ermordet.

Schon das NS-Regime hatte in endlosen Verhören vergeblich nach Hintermännern im In- und Ausland gesucht. Nach dem Krieg wurde Elser jahrzehntelang, auch von seriösen Historikern, Verdächtigungen ausgesetzt, es habe sich um ein von den Nazis selbst inszeniertes Attentat gehandelt. Und auch für die Auslassungen von Fritze gilt, was der Klappentext des Buches sagt: "Ein Handwerker, der keiner politischen Gruppe angehörte, ein einzelner, der früh erkannte, daß der Kriegstreiber Hitler nur mit Gewalt gestoppt werden kann, paßte in keine ideologische Schublade.“

Zweite Heimat Schweden. Ein Erinnerungsabend mit Greta Wehner

Die Deutsch-Schwedische Gesellschaft Dresden lud am 15. März 2000 gemeinsam mit dem Herbert-Wehner-Bildungswerk zum Erinnerungsabend mit Greta Wehner. Es ging um Schweden, das skandinavische Land, das den Wehners in der Zeit der Emigration Zufluchtsort und auch nach dem Kriege Urlaubsort war.

„Als wir nach zehn Jahren aus Schweden weggingen, habe ich so schwedisch gesprochen, daß Einheimische nicht merkten, daß ich nicht Schwedin war“, so Greta Wehner heute. Die Jahre von 1937 bis 1947 verbrachte die Witwe des großen SPD-Politikers Herbert Wehner, die heute in Dresden lebt, in dem skandinavischen Land. In Schweden ist sie erwachsen geworden, hat ihre Ausbildung absolviert. In Schweden hat die Familie Wehner zusammengefunden. Und in Schweden, auf Öland, hatten Wehners bis zu Herberts Tod im Jahre 1990 ein Haus, in dem sie – wenn es irgend ging – ihre Sommerferien verbrachten.

Bei dem Abend im Bildungswerk waren gut 40 Personen aus allen Bevölkerungsschichten anwesend. Neben vielen persönlichen Erzählungen der 75jährigen Greta Wehner standen Fragen nach den politischen Zusammenhängen zwischen Wehners Entwicklung zum Sozialdemokraten und seinen Erfahrungen mit der schwedischen Demokratie im Mittelpunkt.

Berlin-Seminar ein voller Erfolg. Seminarteilnehmer: "Berlin ist jedesmal eine andere Stadt"

Erfreute SeminarteilnehmerInnen auf dem Gendarmenmarkt

Das erste Berlinseminar des Herbert-Wehner-Bildungswerks vom 17. bis 19. März 2000 war ein voller Erfolg. Insgesamt 37 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, vornehmlich aus Dresden und Umgebung, bestätigten dies nach der Fahrt. Damit will das Bildungswerk eine Tradition von Hauptstadtfahrten einleiten. Die nächste ist für den 10. bis 15. Oktober geplant.

"Das hätte ich nicht gedacht, daß das so reibungslos klappt", freute sich Sachbearbeiterin Hannelore Rollow nach der Fahrt. Und Geschäftsführer Christoph Meyer fügt hinzu: "Mit Dieter Fitterling aus Berlin hatten wir natürlich einen exzellenten Referenten und Seminarleiter. Die Teilnehmer kamen ja aus dem Staunen über dessen Wissen nicht mehr hinaus."

Im komfortablen Reisebus der Firma Stülpner (Thiendorf) ging es freitags mittags los. Gleich zu Beginn in Berlin der erste Höhepunkt: Besteigung der Reichstagskuppel, Führung durch den Deutschen Bundestag. "Mir ist gar nicht schwindlig geworden, obwohl ich sonst Höhenangst habe", freute sich Seminarteilnehmerin Margarete Füßer.

Und gleich am Samstagmorgen klarte der Himmel auf. Strahlender Sonnenschein begleitete das Seminar an den beiden folgenden Tagen zu Bus und zu Fuß durch Berlin. Die neuen Hochhäuser am Potsdamer Platz, die riesige Shopping-Mall dort, wurden ebenso besucht wie die Hackeschen Höfe in der Nähe der Oranienburger Straße. Einen besonderen Höhepunkt stellte auch eine Begegnung mit Kommunalpolitikern aus dem Westen Berlins dar, aus Spandau-Staaken. Und überhaupt: der Westen. Wie es dort aussieht, bzw. was sich dort in den letzten Jahren geändert hat, das interessierte die Gäste aus dem Osten, aus Dresden, ganz besonders. "Hier ist auch einiges ganz schön runtergekommen", meinte eine Teilnehmerin.

Seminarleiter Dieter Fitterling bestätigte diesen Eindruck. Schon vor der "Wende" sei West-Berlin langsam ausgeblutet, und mit der boomenden Mitte mitzukommen, sei jetzt eben ganz schön schwierig. Auch diskutiert wurde ausgiebig. Besonders hoch her ging es, als es um die Löhne in Ost und West ging. Die sind im Ost-Berlin im öffentlichen Dienst nämlich schon längst bei 100 Prozent. "Ich verstehe gar nicht, daß ihr in Dresden euch die 86,5 Prozent überhaupt gefallen laßt", meinte Seminarleiter Fitterling hierzu.

Die nächste Berlinfahrt des Bildungswerks findet vom 10. bis 15. Oktober 2000 statt. Hier wird es erneut um Berlin als deutsche Hauptstadt gehen. Ein preiswertes Seminar, so verspricht Geschäftsführer Christoph Meyer. Weitere Informationen werden folgen.

Strategien gegen Rechts. Nicht wegsehen, sondern Handeln

Das Bildungswerk hat vom 22. bis 24. Oktober 1999 in Freital ein Wochendseminar zum Thema „Strategien gegen Rechts. Zivilcourage: Nicht Wegsehen, sondern Handeln“ veranstaltet. Hier konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemeinsam trainieren, wie sie mit brenzligen Situationen, mit Anmache und Anpöbelei fertig werden können.

Im Seminar wurde den Ursachen von rechtsextremer Gewalt im Alltag nachgegangn und in Rollenspielen geübt, was gegen die Gewalt getan werden kann. Das gute Dutzend Teilnehmerinnen und Teilnehmer hat sich selbst verschiedene brenzlige Situationen erarbeitet und schließlich eine praktisch geübt: Eine ausländerfeindliche Anpöbelei in der Straßenbahn, wie sie im Alltag häufiger vorkommt. Dazu wurden die Seminarstühle wie Straßenbahnsitze aufgestellt, ein Teilnehmer spielte das Opfer, ein anderer den Angreifer, und die übrigen mehr oder weniger unbeteiligte Fahrgäste.

Nachher waren sich alle einig, daß ihnen dieses Seminar viel gebracht hat: „Es ist wirklich besser, wenn ich mich aktiv einmische. Wenn ein solches Verhalten Schule macht, dann werden die Angriffe weniger werden“, so das Fazit einer Teilnehmerin.

"Zeit-Genossen" und "Europa ohne Juden". Erstmals Autorenlesungen im Herbert-Wehner-Bildungswerk

Genau neun Monate nach dem Einzug in das Ladenlokal in der Kamenzer Straße fanden erstmals literarische Abende im Bildungswerk statt. "Zwei sehr interessante Bücher mit zwei sehr interessanten Autoren haben wir dafür gewinnen können", freut sich Geschäftsführer Christoph Meyer, der beide Werke gelesen hat.

Am Montag, den 1. November 1999 las Bernard Wasserstein aus seinem Buch "Europa ohne Juden". Der Brite Wasserstein ist Präsident des Oxforder Zentrums für Hebräische und Jüdische Studien. In der historischen Abhandlung geht es um die Geschichte des europäischen Judentums seit 1945. Er machte sich die Devise von Nahum Goldmann zueigen: "Nationen sterben nicht, sie begehen Selbstmord, weil sie den Lebenswillen verloren haben." Wassersteins Prognose, die Juden in Europa befänden sich auf einer "Spirale des Niedergangs", blieb allerdings nicht unumstritten.

Zwei Tage später zur gleichen Uhrzeit, las Nils Opitz, ehemaliger Stipendiat der Friedrich-Ebert-Stiftung und Parlamentarischer Berater im Sächsischen Landtag, aus seinem Roman "Zeit-Genossen". Im politischen Milieu Dresdens treibt ein psychopathischer Serienmörder sein Unwesen, im alten Rom gibt es Grenzkonflikte mit germanischen Stämmen, und mittendrin erinnert sich ein junger Politikberater aus dem Westfälischen an seine ersten Erfahrungen mit Politikern und anderen Menschen in Ostdeutschland. "Das Buch glaubt an ein gutes Ende der Wiedervereinigung", meinte Opitz über seinen "Zeitgeschichtshistorienkriminalroman". Dieser Einschätzung schlossen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, welche darüber hinaus von dem Buch und der Atmosphäre im Bildungswerk sehr angetan waren, überwiegend an. Beide Veranstaltungen waren gut besucht; der Tagungsraum im Bildungswerk war jeweils brechend voll. "Weitere Autorenlesungen werden folgen, wenn wir Angebote dafür bekommen", meinte Christoph Meyer vom Herbert-Wehner-Bildungswerk.

Seminarreihe zum Internet ein Renner. Bildungswerk hat jetzt eigene Homepage im Internet

Im Oktober und November 1999 standen im Herbert-Wehner-Bildungswerk die Telefone nicht mehr still: Nachdem eine große Dresdner Zeitung eine kurze Pressemitteilung zu einem Internet-Seminar abgedruckt hatte, riefen zahlreiche Bürgerinnen und Bürger an und erkundigten sich nach den Teilnahmebedingungen. "Da haben wir wohl in ein Wespennest des öffentlichen Interesses gestoßen", meinte Bildungswerksleiter Christoph Meyer, und Sachbearbeiterin Hannelore Rollow klagte: "Vor lauter Anrufen komme ich schon gar nicht mehr zu meiner eigentlichen Arbeit. Ergebnis: Die Seminare im Oktober und November waren blitzschnell ausgebucht, auch die Ersatztermine im Dezember und Januar waren schnell voll, für die Ersatz-Ersatztermine im Februar und März wird es auch schon eng, und wahrscheinlich kann das Bildungswerk vom Bedarf her bis Weihnachten 2000 jeden Monat ein Internet-Seminar einplanen.

Viele der Teilnehmer an den beiden ersten Seminaren, welche im Internet-Café im Dresdner Volkshaus der Gewerkschaften stattfanden, bewegten sich zum ersten Mal in den unendlichen Weiten des World Wide Web. Eine Teilnehmerin: "Mich hat die Praxisorientierung des Seminars überzeugt. Am Freitag wußte ich noch nichts vom Thema, heute – nur einen Tag später - habe ich eine eigene e-mail-Adresse und weiß auch, wie man selbst homepages ins Netz stellt." Interessant war aber auch die Diskussion um die politischen Konsequenzen, um die Chancen und Risiken des Internet.

Besonders erwähnenswert ist die gute Zusammenarbeit der Teilnehmer unter 30 mit den Teilnehmern über 50. "Ich hätte nie gedacht, daß das so gut funktioniert", so einer der Älteren, und weiter: "Es ist nur schade, daß niemand aus dem ‚Mittelalter' unter den Seminarteilnehmern war." Die Seminarleiter Peter von Ruthendorf-Przewoski und Bernd Tonn dagegen lobten "die coolen Opas".

In der Tat: Die Seminarhomepage konnte sich sehen lassen. "Da ist ja die Herbert-Wehner-Briefmarke drin", freute sich Christoph Meyer vom Bildungswerk.

Das Bildungswerk will im kommenden Jahr weitere Internetseminare anbieten. "Gerne würden wir damit auch in die anderen Regionen des Freistaats" kommen, meint Christoph Meyer. "Wir brauchen nur einen Seminarraum und einen Raum mit mindestens sieben Computern am Netz, am besten ein "Internet-Café. Angebote und Anregungen sind stets willkommen", fügt Meyer hinzu.

Das Herbert-Wehner-Bildungswerk selbst ist seit kurzem ebenfalls im Internet präsent. Hier können allgemeine Informationen über die Arbeit des Bildungswerks, ein Lebenslauf von Herbert Wehner mit Fotos und Informationen über spezielle Seminare abgerufen werden. Der Clou sind elektronische Anmeldeformulare für Seminare und die Möglichkeit, per e-mail dem Freundeskreis Herbert-Wehner-Bildungswerk beizutreten.

Reden wie Wehner im November. Rhetorikseminar in der Sächsischen Schweiz

Reden wie Herbert Wehner? Den Witz und die Schlagfertigkeit des bedeutenden Politikers wird kaum einer erlernen können. Aber sich kurz fassen, die Dinge auf den Punkt bringen, den Redebeitrag klug aufbauen und mit einer originellen Pointe zu versehen – das läßt sich schon lernen. Und so ging es zum Rhetorikseminar des Herbert-Wehner-Bildungswerks Sachsen vom 12. bis 14. November 1999 in der Sächsischen Schweiz.

Graue Novembertage mit Nebelschwaden und Regen, aber die angenehme Atmosphäre im frisch renovierten Naturfreundehaus Königstein ließ das Wetter schnell vergessen. Und Trübsinn konnte auch nicht aufkommen, sorgten doch die Seminarleiter Klaus Reiners und Gabriele zu Hohenlohe dafür, daß dazu keine Zeit war.

Schwerpunkte des Seminars waren der Einsatz von Gestik und Mimik sowie der Aufbau einer Kurzrede. Es gab viele Tips, zum Beispiel, wie man mit Lampenfieber fertig wird. Am wichtigsten war wieder das eigene Üben. Redebeiträge der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu Themen wie "Soll man Werbung verbieten?" oder "Verkehrskonzepte für die Innenstadt" wurden mit Videokamera aufgezeichnet und dann gemeinsam mit der Gruppe besprochen. Dabei wurde viel Lob und viel Kritik verteilt. Kritik, welche Voraussetzung dafür ist, es beim nächsten Mal besser zu machen.

Am Ende des Seminars stand ein rundum positives Fazit. Nur die Teilnehmerzahl – 18 Personen – wurde doch von vielen als zu hoch empfunden. Das Bildungswerk gelobte Besserung.

Streit um Schröder-Blair-Papier. Diskussion in Zusammenarbeit mit dem DGB-Bildungswerk

Werner Becker (SPD), ehemals beim Sächsischen Aufbauwerk, referierte am 10. November 1999 im Volkshaus vor etwa 25 Zuhörern über das Schröder-Blair-Papier. Fazit der sehr angeregten Diskussion: Das Papier bedeutet nicht den Abschied von der sozialen Gerechtigkeit. Dafür, so Becker, sei es "gar nicht konkret genug". Es sei allerdings "eher nützlich", da es einen Diskussionsanstoß darstelle. Es sei sicher auch nicht, wie im Titel der Veranstaltung gefragt, "der falsche Weg", aber es lasse die Frage offen: "Was ist der richtige Weg?"

Weitere Diskussionen um aktuelle politische Themen sollen folgen.

Strategien gegen Rechts. Zur Auseinandersetzung mit rechtsextremen Personen und Parolen

Im März und April 1999 hat das Herbert-Wehner-Bildungswerk die im vorigen Jahr begonnene inhaltliche Auseinandersetzung mit rechtsextremer Politik verstärkt fortgesetzt. Es fanden drei Seminare statt, die auf die praktisch-politische Auseinandersetzung vorbereiten sollten.

Die Veranstaltungen in drei verschiedenen Regionen Sachsens begannen jeweils mit einem Problemaufriß durch einen Mitarbeiter des Landesamtes für Verfassungsschutz. Dabei wurde deutlich, welche drastischen Dimensionen die Entwicklung des Rechtsextremismus in Sachsen, insbesondere bei jungen Männern, angenommen hat. Ein Beispiel nur: Fast ein Drittel aller NPD-Mitglieder wohnt im Freistaat.

Den Hauptteil des Seminars machte die Erarbeitung und Diskussion rechtsextremer Parolen aus. In Arbeitsgruppen wurden Gegenargumente entwickelt und in Rollenspielen erprobt. Letzteres war, so betonten viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer, besonders wertvoll. Der große Praxisbezug der Seminare wurde in der Auswertung gelobt.

Während die inhaltliche Bilanz positiv ausfällt, sind bei der Beteiligung Abstriche zu machen. Dafür, daß es sich um ein so drängendes Problem handelt, nahmen mit zwischen 7 und 12 Personen trotz massiver Werbung durch das Bildungswerk viel zu wenige Interessierte an den Seminaren teil. Insbesondere gelang es nicht, bei der Teilnehmerinnen- und Teilnehmerwerbung mehr Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter zu gewinnen.

Sachsen im Superwahljahr. Parteien, Programme, Strategien

In Sachsen fanden 1999 drei wichtige Wahlauseinandersetzungen statt: Am 13. Juni die Kommunal- und Europawahl, am 19. September die Landtagswahl. Grund genug für ein politisches Bildungswerk, sich eingehend mit diesen wichtigen Ereignissen zu beschäftigen.

Zwischen April und Juni 1999 führte das Herbert-Wehner-Bildungswerk daher in den verschiedenen Regionen Sachsens insgesamt sieben 1 ½tägige Seminare zum Thema "Sachsen im Superwahljahr" durch. Dabei wurden die verschiedenen strategischen und programmatischen Ansätze der Parteien in Sachsen in Vorträgen, Arbeitsgruppen und Diskussionen unter die Lupe genommen. Schwerpunkt war dabei die Landesebene.

Dabei stellte es sich als Grundtenor heraus, daß die Stärke der CDU vor allem im hohen Ansehen ihres Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf besteht, während die Partei selbst, ihre Programmatik und ihr sonstiges Personal als eher schwach bewertet wurden. Die PDS habe erhebliche Schwächen bei der Problemlösungskompetenz, wurde auf vielen der Seminare festgestellt. Aber als reine Protestpartei werde diese Partei auch weiterhin ein stabiles Wählerreservoir haben. Zwischen diesen Polen, so schätzten viele Referenten und Teilnehmer ein, werde es die SPD schwer haben, sich zu profilieren. Ihre Chance bestehe allerdings in der Verdeutlichung von personeller und inhaltlicher Kompetenz und einem modernen, innovativen Wahlkampf.

Bei den späteren Seminarterminen im Juni kamen verstärkt bundespolitische Themen zur Sprache. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer fragten sich, ob es überhaupt die Landesthemen seien, die die Wahlen entscheiden, oder ob es sich nicht genauso gut oder noch viel mehr um eine Abstimmung über die Politik der rot-grünen Bundesregierung handle. Das Ergebnis der Kommunal- und Europawahlen in Sachsen, also deutliche Gewinne für die CDU, leichte Gewinne für die PDS und der undankbare dritte Platz für die SPD, entsprach dem Bundestrend und scheint die letztere Ansicht zunächst zu bestätigen.

Die große Theorie. Spuren des Marxismus in der Sozialdemokratie

Dr. Uli Schöler, Politikwissenschaftler und Leiter des Präsidialbüros des Deutschen Bundestages, sprach am 29. März 1999 im Georg-Landgraf-Forum in Chemnitz über Marx und die sozialistische Idee nach dem Scheitern des sowjetischen Staatssozialismus. Seine These: Die Gründe für das Scheitern des "Realsozialismus" können durchaus auch in den theoretischen Vorarbeiten von Marx und Engels gefunden werden. Es gebe zwar Bestandteile des Marx’schen Denkens, die auch heute noch ihre Gültigkeit hätten, aber dies rechtfertige es nicht, weiterhin von einem allumfassenden Denkgebäude des "Marxismus" auszugehen.

Schölers Vortrag traf bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Abendveranstaltung auf großes Interesse, und es kam zu einer lebhaften Diskussion.

Zum Thema des Vortrags ist mittlerweile beim Bonner Dietz-Verlag Schölers Buch "Ein Gespenst verschwand in Europa" erschienen.

Politisch-theoretischer Gesprächskreis im Herbert-Wehner-Bildungswerk

Ehemalige Stipendiatinnen und Stipendiaten der Friedrich-Ebert-Stiftung sowie andere Interessierte haben sich bereits zweimal zu einem Gesprächskreis im Bildungswerk getroffen, um in kompetenter Runde über aktuelle und interessante politische Themen zu diskutieren. Am 29. April 1999 ging es um Transatlantische Beziehungen im Kosovo-Krieg . Stefan Robel, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für internationale Politik der Technischen Universität Dresden, referierte über das Verhältnis zwischen deutschen und amerikanischen Interessen in der Auseinandersetzung um die Lösung der Kosovo-Krise. Bei dem brisanten Thema schloß sich eine engagierte und kontroverse Diskussion der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an. Dabei wurde immer wieder die Frage gestellt, ob denn die Bombardements den Menschen im Kosovo helfen und ob es dazu Alternativen gebe. Schlüssige und alle überzeugende Antworten fanden sich jedoch nicht.

Wesentlich einmütiger war das Urteil zum zweiten Thema am 3. Juni 1999: Deutschland an der Schwelle zum solaren Zeitalter. Peter Raue, Wissenschaftlicher Angestellter am Institut für Experimentelle Physik der TU-Bergakademie Freiberg, sprach über politische Aufgaben für den Weg zu einer Energieversorgung mit Sonne, Wind & Co. Der sehr engagiert und anschaulich präsentierte Vortrag führte kaum zu Kontroversen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren sich vielmehr einig, daß regenerative Energien in naher Zukunft die Energieversorgung Sachsens vollständig übernehmen können. Ob dies gelinge, so das Fazit, sei eine Frage des politischen Willens von Bevölkerung und Entscheidungsträgern.

Der 17. Juni – ein Sieg für den Demokratischen Sozialismus? Historische Vortragsveranstaltung im Bildungswerk

Am 17. Juni 1999, dem 46. Jahrestag des Arbeiteraufstands von 1953, trug Dr. August H. Leugers-Scherzberg seine Sicht zur historischen Bedeutung der Erhebung vor. Der Münsteraner Historiker schreibt an einer Untersuchung über das politische Denken Herbert Wehners in der Zeit von 1941 bis 1966.

Der wohlstrukturierte Vortrag führte zu einer lebhaften Debatte unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Strittig war insbesondere die These von Leugers-Scherzberg, es habe sich um einen "Arbeiteraufstand" gehandelt und nicht, wie eine bestimmte Nach-Wende-Geschichtsschreibung sich mit der zeitgenössischen CDU/CSU-Sicht einig ist, um einen "Volksaufstand". Leugers-Scherzberg führte zur Begründung seiner These nicht nur die Entstehungsgeschichte und politische Trägerschaft des Aufstandes an, sondern er behauptete auch eine politische Zielstellung des Aufstandes im Sinne der Sozialdemokratie bzw. des Demokratischen Sozialismus.

Ausgehend von diesem gelungenen Einstand möchte das Herbert-Wehner-Bildungswerk den Jahrestag des 17. Juni künftig alljährlich zum Thema einer Veranstaltung machen.

Auf Spurensuche. Dresden als historischer Ort der Arbeiterbewegung

Auf eine Entdeckungsreise durch die Geschichte der Dresdner Arbeiterbewegung gingen die Teilnehmer eines Seminars im Herbert-Wehner-Bildungswerk am 2. und 3. Juli 1999. Bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen über 30 Grad waren Themen unter anderem Rudolf Friedrichs, der erste Nachkriegsministerpräsident von Sachsen, Herbert Wehner in Dresden und die Geschichte des Volkshauses der Gewerkschaften am Schützenplatz. Ein Führungsprogramm umfaßte die Spuren der Arbeiterinnen- und Arbeiterbewegung in der Dresdner Neustadt, das Volkshaus und einige Stätten in Dresden-Striesen, dem Stadtteil, in dem Herbert Wehner am 11. Juli 1906 geboren wurde.

Das Seminar wurde gemeinsam mit dem DGB-Bildungswerk Sachsen durchgeführt und fand guten Anklang. Weitere "Spurensuchen" sollen folgen.

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